Pflasterung der Ankumer Hauptstraße: Gestaltung versus Sicherheit?

Das Pflaster bleibt – Querungshilfen für Rollstühle oder Kinderwagen

Von hinten gesehen: Die Ratssitzung vom 29.06.11(fr) Das Straßenpflaster in Ankums Hauptstraße weist erhebliche Schäden auf (wir berichteten). Johannes Dettmaring stellte in seinem Bericht über die Arbeit des Ausschusses für Infrastruktur und Umwelt das Thema Hauptstraße zunächst zur Seite und ließ dann Herrn Westerhaus vom gleichnamigen Ingenieur- und Planungsbüro berichten.

In der Hauptstraße sind  „punktuelle Versackungen“ festzustellen, die auch laut einer Baustoffprobe auf eine mangelhafte Wasserdurchlässigkeit des Unterbaus zurückzuführen sind. Einzelne Tragschichten sind zu feinkörnig, verdichten sich zu sehr, um das Wasser noch durchzulassen. Dadurch entstehen Aufschwemmungen, in denen das Straßenpflaster nach und nach dem Druck des Straßenverkehrs nachgibt. So bilden sich Spurrillen aus, wie am Bestandsbild des Pflasters gut zu beobachten ist.

ArchivfotoAls Lösung des Problems empfiehlt das  Ingenieurbüro die Pflasterung aufzuheben, die Tragschichten des Unterbaus neu aufzubauen und das bestehende Pflaster dann neu zu legen. Dieses könne in mehreren Abschnitten geschehen, um den Verkehr in der Hauptstraße nicht unverträglich zu behindern. Der gesamte Verlauf der Hauptstraße wird durch diese Planungsvorstellungen nicht erfasst, das vorgestellte Vorhaben begrenzt sich auf die am ärgsten betroffenen Zonen zwischen Oberdorf bis zum Café Sich. Die damit verbundenen Kosten betragen etwa 100.000 Euro.

Im Zuge des Neuaufbaus des Straßenpflasters sollen auch neue Querungshilfen für körperlich behinderte Passanten, die einen Rollstuhl oder einen Rollator nutzen, eingerichtet werden. Dieses werden mit Klickersteinen – wie bei den bestehenden Gehwegen – aufgebaut. Auf Anregung des Behindertenbeirats sind nur in diesem Bereich auch die als Rillen ausgelegten Wasserläufe (Gossen) abzuflachen. Vorgesehen sind die Querungshilfen vor dem Gebäude der Sparkasse, am Geschäft Stürenberg, am Seiteneingang des Rathauses, am Geschäft Eymann und als Verlängerung der Postpassage.

Darüber hinaus lassen sich mit dem Neuaufbau des Pflasters in den Bereichen Sparkasse und Café Sich auch Neuordnungen des Gehweges umsetzen, um mehr Sicherheit zu erreichen.

Meinungen:
Ralf Gramann, Gärtnermeister und für die Grünen im Gemeinderat, forderte auf das bestehende Pflaster vollständig zu verzichten und stattdessen einen Belag aus Betonsteinen zu verwenden. Das Verfahren mit der Wiederverwendung der Pflastersteine sei zu teuer und außerdem keine haltbare Lösung; und eine, die man bald wieder bereuen würde.

Christan Pohlmann-Geers (FDP) hat sich laut eigener Aussage die Entscheidung nicht leicht gemacht, auch weil vom bestehenden Pflaster deutliche Schallemissionen ausgehen. Ihm läge auch daran, den bestehenden Charakter der Straße zu erhalten und mit dem jetzt vorgestellten Konzept, mit den Querungshilfen, sei ein guter Kompromiss gefunden worden.

Dieter Hütten (SPD) befürchtete, dass mit den vorgelegten Planungen Sicherheit und Begehbarkeit hinter den Gestaltungsaspekten zurück stehen. Die Sicherheit der Passanten und die Bedürfnisse behinderten Menschen sollten nach seiner Ansicht jedoch im Vordergrund stehen. Zudem betrachtete er die Planungen als neue „Flickschusterei“, die womöglich auch nicht lange hält.

Kurt Wiesing (CDU), selbst dauerhaft auf die Nutzung eines Rollstuhls angewiesen, forderte sich ausreichende Gedanken über die behindertengerechte Gestaltung zu machen. Der momentane Zustand der Straße, das wisse er aus eigenem Erleben, sei in diesem Sinne eine Zumutung.

Heinz Sandbrink (CDU), wies als stellvertretender Bürgermeister die Kritik zurück. Zunächst sieht er in der bestehenden Pflasterung der Straße ein „Alleinstellungsmerkmal“, welches den Charakter der Straße wesentlich präge. Ein Belag mit Betonsteinen sehe immer billig aus.  Mit den jetzt vorgesehen Querungen mit Klickersteinen und den Neugestaltung der Gehwege im Sparkasse und Café Sich, sei die Straße auch mit Rollstühlen oder Rollatoren gut zu nutzen. Auch wehrte er sich gegen den Begriff der „Flickschusterei“, denn noch nie sei die Reparatur der Straße so umfänglich, also mit dem Neuaufbau des Untergrunds, vorgenommen worden. Wenn man einen statt der Neupflasterung einen kompletten Neubau der Straße wolle, würden die Arbeiten nicht 100.000 sondern leicht 300.000 Euro kosten.

> Weitere Berichte zur Ratssitzung vom 29.06.11

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