Ankums Gemeinderat votiert für den Erhalt der Grundschule am jetzigen Standort
Mittwoch, den 23. Juni 2010 um 02:43 Uhr
SPD/FDP verweigern dem Votum die Zustimmung
Ankum. (fr) Juristisch gesehen ist die Gemeinde Ankum nicht zuständig oder zur Abgabe einer Stellungnahme aufgefordert. Für viele Mitglieder des Rates war es am gestrigen Abend aber eine „Herzenssache", ein klares Votum für den Erhalt der Ankumer Grundschule am jetzigen Standort abzugeben.
Seitens der Samtgemeinde Bersenbrück, die verantwortlicher Träger der Ankumer Grundschule ist, wird derzeit erwogen, die Grundschulklassen in bestehende Räumlichkeiten der Haupt- und Realschule Ankum am Kattenboll zu verlegen. Einen entsprechenden Beschluss der Samtgemeinde gibt es bisher aber nicht. Samtgemeindebürgermeister Dr. Michael Lübbersmann betonte bis zuletzt, das Für und Wider der verschiedenen Möglichkeiten noch abwägen und zunächst diesbezügliche Gespräche mit den betroffenen Eltern und Lehrkräften führen zu wollen. Nicht unwesentlich in der Diskussion sind hohe Kosten für eine gegebenenfalls notwendige Renovierung der jetzigen Grundschule.
Auf Antrag des Ratsherren Gerd Triphaus, der auch mit einem viel diskutierten Leserbrief in der Tageszeitung auf das Thema aufmerksam machte, geriet das Thema gestrigen Tages - trotz fehlender Zuständigkeit - nun doch auf die Tagesordnung der Ankumer Ratssitzung Dort blieb es auch, obwohl die SPD/FDP-Gruppe gleich zu Sitzungsbeginn die Streichung des Themas beantragte.
Auch den zahlreichen Zuschauern im Ratssaal zugewandt, wünschte sich Bürgermeister Borgmann die Abgabe eines klaren Votums der Gemeinde. Hierauf würden auch viele Eltern und Lehrkräfte in Ankum hoffen und setzen.
In gleicher Weise formulierte Günther Kosmann als CDU-Fraktionsvorsitzender seinen Wunsch an die Ratsversammlung. Es müsse ein klares Signal vom Gemeinderat ausgehen; fulminant, wenn es einstimmig gefasst werden würde. Der Rat der Samtgemeinde könne das Votum von 7000 Bürgern nicht ignorieren.
Laut Kosmann wurden die Überlegungen zur Verlagerung der Grundschule ans Schulzentrum Kattenboll im Frühjahr dieses Jahres erstmals von Bersenbrück ausgehend herangetragen. Während einer interfraktionellen Sitzung am 4. Mai, an der auch Dr. Lübbersmann teilgenommen habe, seien die Überlegungen dann ausführlicher, doch nicht ohne Ungereimtheiten vorgestellt worden. Es habe ein pädagogisches Konzept gefehlt und auch hinsichtlich der Rückübertragung der Liegenschaften – die für die Gemeinde Ankum mit erheblichen Kosten verbunden sein könnte - seien die Überlegungen wenig gereift
Für die CDU-Fraktion sprechend erwartete Kosmann ein einstimmiges Votum des Gemeinderates mit dem Ziel, die Grundschule am jetzigen Standort zu erhalten und zeitnah ein tragfähiges Sanierungskonzept zu erstellen, um die Schule zukunftssicher zu machen.
Heinz Sandbrink (CDU) betonte in einer Stellungnahme die Vorteile der Grundschule im Ortskern, nahe der Kirche. Dieses sei auch nicht unwesentlich für die Infrastruktur des Ortes. Mit dem Neubau des katholischen Kindergartens habe man sich bereits aus der Ortsmitte entfernt.
Gerd Triphaus (CDU), auf dessen Antrag der Rat sich mit dem Thema befasste, sprach von einer „Oase der Ruhe und Geborgenheit", welche die Grundschule den Kindern am jetzigen Standort biete und fürchtete, dass die Kinder am Schulzentrum Kattenboll überfordert sein könnten. Vor dortigen Problemen, die seien wie sie bundesweit bestehen, mit Drogenproblematik und dergleichen mehr, seien die Grundschulkinder bislang gut geschützt. Angesichts der Kostendiskussion wünschte sich Triphaus, andere Prioritäten zu setzen. Verwundert hätte er auch zur Kenntnis genommen, dass seitens der Kirche und des Bistums angeblich schon seit längerer Zeit über eine anderweitige Verwendung des Grundstücks nachgedacht worden sei.
Christian Pohlmann (FDP) und Jörg Schlarmann (SPD) hielten unterdessen an ihrer Ablehnung des Votums fest. Zunächst, weil allein die Samtgemeinde als Schulträger zuständig sei und das Votum keinerlei Rechtswirksamkeit habe. Aber auch, weil ihnen weitere Fakten zur Beurteilung fehlten. Weiterhin vermuteten sie, dass Triphaus mit seinem Leserbrief nur „die Notbremse gezogen haben" und die CDU, die auch im Samtgemeinderat die Mehrheit stellt, die Entscheidung bis zur Kommunalwahl 2011 herauszögern wolle.
Maren von der Heide (CDU) zeigte sich entsetzt, dass dieses Thema als Wahlkampfthema gesehen werden könnte. Ihr sei es, wie vielen anderen Ratsmitgliedern auch, eine Herzenssache, die geborgene Umgebung am jetzigen Standort für die Kinder zu erhalten. Das Thema sei für Parteistreitigkeiten absolut ungeeignet.
Letztlich wurde das Votum des Gemeinderates für den Erhalt der Grundschule am jetzigen Standort, mit dem Wunsch einer zeitnahen Sanierung der Gebäude, mit den Stimmen der CDU und des Vertreters der Grünen, und somit mit großer Stimmenmehrheit beschlossen. Pohlmann und Schlarmann enthielten sich und verweigerten damit ihre Zustimmung. Der Beschluss soll nun möglichst bald der Samtgemeinde Bersenbrück übermittelt werden.
> Weitere Berichte zur Ratssitzung vom 22.06.10
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