Eine Rede zum Abschied des Bürgermeisters der Gemeinde Ankum: Ferdinand Borgmann
Freitag, den 21. Oktober 2011 um 04:45 Uhr
Ankum. (fr) Seinem Stellvertretender Heinz Sandbrink fiel die Aufgabe zu, den Bürgermeister der Gemeinde Ankum, Ferdinand Borgmann, mit treffenden Worten in den Ruhestand zu begleiteten. Hier der Wortlaut der Rede:
Herr Bürgermeister, liebes Ratskollegium, verehrte Gäste, lieber Ferdi!
Zum 3. Mal darf ich heute einen Ankumer Bürgermeister in den verdienten Ruhestand verabschieden, und damit das nicht auch noch ein 4. Mal passiert, hast Du mich soeben vorsichtshalber selber in Rente geschickt.
Für Deine netten Abschiedsworte bedanke ich mich ganz herzlich und ich kann sagen, dass ich gerne im Ankumer Gemeinderat mitgearbeitet habe.
In letzter Zeit werde ich häufig gefragt, wie ich nach 30 Jahren ohne Gemeinderat auskommen will. Ich antworte dann immer, dass andere sogar ihr ganzes Leben lang ohne Gemeinderat ausgekommen sind. Außerdem bietet das Leben genügend andere Dinge, mit denen man sich beschäftigen kann.
Wir ausscheidenden Ratsmitglieder können also frohen Mutes nach vorne blicken, denn alt ist man erst, wenn man an der Vergangenheit mehr Freude hat als an der Zukunft!
Lieber Ferdi,
auch Du hast 20 Jahre lang gerne Gemeindepolitik betrieben und das Amt des Bürgermeisters hat Dir nach eigener Aussage meistens viel Spaß gemacht. Du gibst nun Dein Amt aus eigenem Entschluss auf und das hebt Dich von den vielen Spitzenpolitikern ab, die an ihren Ämtern kleben.
Die Entscheidung aufzuhören ist Dir schwergefallen, aber Du bist diesen Schritt gegangen, damit die parteiinternen Grabenkämpfe und die persönlichen Angriffe ein Ende nehmen und Ankum hoffentlich wieder in ruhigere Fahrwasser gelangen kann.
Sehr viele Ankumer hätten Dich gerne weiterhin als ihren Bürgermeister behalten und die Ovationen, die Dir die Bürger bei verschiedenen Großveranstaltungen entgegen gebracht haben, lassen erkennen: Du bist ein Bürgermeister der Herzen!
Was Dich besonders auszeichnet ist Deine offene, ehrliche Art und Deine Gradlinigkeit. Ein besonders sympathisches Markenzeichen ist, dass Du immer freundlich lächelnd auf die Menschen zugegangen bist, selbst dann noch, wenn Dir morgens bei der Lektüre des Lokalteils der Zeitung mal wieder zu Unrecht in den Hintern getreten worden war.
Und dass der Redakteur ein Foto von Dir untertitelte: „Im Amt grau geworden“ darfst Du mit Humor nehmen. Denn weiße Haare wirken erotisch und eine alte Lebensweisheit sagt: „Wenn auf dem Berg Schnee liegt, so kann im Tal doch noch Frühling sein!“
Lieber Ferdi,
du hast Dich von keiner Seite vereinnahmen lassen, hast Dich nie in einem der heute vielzitierten Netzwerke fixieren lassen, sondern Du bist mit Deiner freien, freundlichen und ansteckend optimistischen Art auf die Menschen zugegangen, die wir brauchten, um für Ankum etwas zu bewegen. Als Beispiel möge unser Seegelände dienen, wo über 10 Jahre versucht worden war, Gelder für die Sanierung loszueisen. Dir ist dies dank Deiner Art zu kommunizieren gelungen und das Ergebnis erfreut sowohl die Ankumer als auch unsere Gäste.
Du hast Dich immer verstanden als Bürgermeister aller Ankumer und hast keine Unterschiede gemacht zwischen den Menschen, die auf Dich zugekommen sind. Das sollte Vorbild sein für den, der Dir im Amt folgen wird. Auch wenn es nicht immer einfach werden wird, sollte er das „U“ im Namen seiner Wählergemeinschaft verteidigen. Netzwerke können zwar gelegentlich nützlich sein, aber man ist auch schnell in einem Netzwerk gefangen, und die Fäden des Netzes werden auch gerne mal genutzt als Marionettenbänder, die Gefahr von Fremdsteuerung und Gefälligkeitspolitik ist dann groß, im schlimmsten Fall zu Lasten der Allgemeinheit.
Ferdi,
Du hast bei Deinen Entscheidungen immer zuerst überlegt: Was ist gut für Ankum, welche Maßnahmen sind geeignet, die Lebensqualität unseres schönen Dorfes zu verbessern? Vieles ist Dir, das zeigt die vorhin gehörte Bilanz, in hervorragender Weise gelungen. Wir Ankumer brauchen uns nicht zu verstecken, wir dürfen ruhig einen gesunden Stolz auf unser Dorf zeigen, und auch der neue Gemeinderat sollte selbstbewusst und möglichst geschlossen die Ankumer Positionen verteidigen und das Dorf klug weiterentwickeln.
Bevor ich nun zu den Geschenken komme, möchte ich mich auch ganz persönlich bei Dir für unsere völlig unkomplizierte und harmonische Zusammenarbeit bedanken. Unser Wahlspruch war immer: „Zwischen uns passt kein Blatt Papier!“ Selbst die Fusionspläne haben wir uns nicht unterschieben lassen und die gemeinsam kassierte Prügel tat deshalb auch nur halb so weh.
Wenn es mal kritischer wurde haben wir uns gegenseitig ermutigt und beruhigt getreu dem Motto: „Eine Oper ist nicht eher vorbei, bis die dicke Frau gesungen hat.“ Diese warst dann meistens Du.
Die Zusammenarbeit mit Dir hat auch im Gegenwind immer viel Spaß gemacht und uneinig waren wir uns eigentlich nur dann, wenn ich mal meinte, die Kartoffeln dürften ruhig etwas billiger werden, oder wenn Du mich im Rathaus mit den frechen Worten begrüßtest: “Na, schon wieder Ferien?“
Ferdi,
ich glaube, wir beide die dürfen die politische Bühne ohne Wehmut und mit vielen schönen Erinnerungen verlassen. Wenn in den letzten Jahren in der Gemeindepolitik Wunden geschlagen worden sind, so sollten wir alle die nächste Zeit nutzen, um sie durch Gespräche zu heilen. Mahadma Ghandi sagte einmal; „Schwache können nicht verzeihen, verzeihen können nur die Starken!“ Also lasst uns alle Stärke zeigen.
Jetzt aber zu den Geschenken... (….)
So Ferdi,
das war's. Ich wünsche Dir zum Schluss ganz persönlich, aber vor allen auch im Namen des Rates, der Verwaltung und aller Ankumer Bürger mit großem Dank für Dein Engagement alle Gute für Dich und Deine Familie, bleib gesund und behalte Deine fröhliche Art.
Lebe wohl!
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