Leserbrief: Wird Ankum jetzt nach Bersenbrück verkauft?

Das ist wohl die entscheidende Frage, die uns allen in den nächsten Wochen und Monaten unter den Nägeln brennt. Und nicht wenige kneifen sich von Zeit zu Zeit und fragen sich, wie es dazu in so kurzer Zeit kommen konnte, ohne das man hier näher informiert wurde.

Vielleicht sollten wir unserem Rat aber erst mal "Danke" sagen, dass er nicht schon vor ein paar Wochen dem ersten Kooperationsentwurf  unserer Freunde aus Bersenbrück zugestimmt hat, durch den wir unserer Eigenständigkeit wohl völlig beraubt worden wären, anders ist eine einstimmige Ablehnung seitens des Ankumer Rats nicht zu deuten. Und schon kneifen wir uns wieder, denn auch das haben wir -  wenn überhaupt -  nur am Rande mitbekommen.

Also haben sich sehr viele von uns am Dienstag zum Hotel Schmidt aufgemacht um endlich Licht ins Dunkel gebracht zu bekommen. Nur war diese Sitzung leider keine Info-Veranstaltung, sondern eine am Ende Beschluss fassende. Und am Ende des Tages kniffen wir uns abermals, denn das Ergebnis stand bereits fest. 12:8.

12 zu 8 für den Bürgermeister? Nein, wie immer für die CDU? Nein ganz sicher auch nicht. Da votiert also die eigene Fraktion gegen den Bürgermeister samt Stellvertreter, und man ist sich insgesamt und überparteilich dermaßen uneins und wir wollen dennoch alle nur das Beste für unser Dorf? Wie bitte schön soll denn das aussehen, wenn nicht mal die Bürger, die es letztendlich betrifft mit einbezogen werden? Und das ein Bürgermeister bei soviel aufgebautem Druck im Hintergrund auch mal nervös werden darf, ist doch nur allzu menschlich und logisch.

Aber was wollen wir Ankumer mit den nun anstehenden Gesprächen denn überhaupt erreichen? Was bringt uns diese Einheitsgemeinde und das mögliche neue Mittelzentrum denn überhaupt und was heißt denn "wir verhandeln doch auf Augenhöhe mit den Bersenbrückern" genau? Abgesehen von möglichen wirtschaftlichen Vorteilen für die Region, was aber nicht auch automatisch für Ankum so sein muss, habe ich bislang noch keine nennenswerten Vorteile finden können, ganz im Gegenteil.

Ein möglicherweise Einstimmiges, mindestens aber sehr eindeutiges Ergebnis des Bersenbrücker Rates für Gespräche mit Ankum mal vorausgesetzt, wird also wohl insgesamt kaum eine 50:50 Ausgangssituation für uns bringen. Von den Interessenkonflikten beider Seiten mal ganz abgesehen.

Da fragt man sich doch allen Ernstes, ob hier alles mit rechten Dingen zu geht, oder ob die Fäden nicht doch schon lange im Hintergrund gezogen und die Weichen im Rat nur noch entsprechend gestellt werden mussten.

Man sollte Gesprächen sicher generell immer offen gegenüberstehen, da stimmen wohl alle überein. Mit dem Ziel in so kurzer Zeit aus diesen Gesprächen eine funktionierende Einheitsgemeinde Ankum-Bersenbrück zu bilden, tue ich mich allerdings sehr schwer. Immerhin geht es hier doch um unsere Selbständigkeit, unser Dorf und unsere Geschichte. Und bis jetzt hat sich die Gemeinde Ankum doch auch ganz prächtig entwickelt, oder?

Holger Johanning (Ankum)
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Redaktioneller Hinweis: Ein Leserbrief gibt allein die persönliche Meinung des Verfassers wieder


Kommentare (2)

1 Viele Halbwahrheiten
Geschrieben von: Karl Bergmann

Im Gegensatz zum Leserbrief von Axel Hüttmann, der wenigstens um Sachlichkeit bemüht ist, sind die Bemerkungen von Holger Johanning zum Thema leider nur eine Ansammlung von z.T. bösartigen Unterstellungen und Halbwahrheiten. Ich gehe da mal absatzweise vor.  

Das ironische „Danke“ an den Gemeinderat für die Ablehnung des Vertragsentwurfes zur interkommunalen Zusammenarbeit kann er sich sparen. Im Übrigen wurde dieser Entwurf einstimming (21) nach kürzester Beratung in die Tonne getreten, und das nicht vor einigen Wochen, sondern vor weit mehr als einem Jahr. Warum soll man bitteschön die Bevölkerung über eine Nullnummer informieren. Ich glaube, dass der Gemeinderat diese Angelegenheit auch ohne Volksbefragung sauber geregelt hat.  

Eine Ratssitzung ist grundsätzlich keine „Info-Veranstaltung“, sondern nur und ausschliesslich die Zusammenkunft der gewählten Bürgervertreter, angesicht des zu erwartenden grossen Interesses in diesem Falle allerdings mit vorgezogener Bürgerfragestunde.  

Die Beschlussfassung in einem Gemeinderat gehört zum politischen Alltagsgeschäft, war das für H.J. vielleicht eine Überraschung ?? Im Übrigen verwahre ich mich entschieden gegen die Behauptung, dass das Abstimmungsergebnis schon vorher feststand. Sicherlich hat sich in den Vorgesprächen und Diskussionen innerhalb der Fraktionen zu diesem Thema ein Trend abgezeichnet.  
Das endgültige Abstimmungsergebnis allerdings stand erst nach der Stimmabgabe an diesem Abend fest, nicht eine Sekunde früher.  

Das Ergebnis von 12 zu 8 war sicherlich knapp, aber es hat auch gezeigt, dass dieses Thema jedem einzelnen Ratsmitglied wichtig war. Was soll der Vorwurf, dass man gegen den eigenen Bürgermeister und gegen die eigene Fraktion gestimmt hat ? Wir haben doch nicht über einen Zuschuss für die Ferienspassaktion abgestimmt, sondern in der Tat über eine für Ankum sehr wichtige Sache. Da kann man ja wohl nicht erwarten, dass hier Friede, Freude und Eierkuchen herrschen. Selbstverständlich gingen die unterschiedlichen Meinungen quer durch alle Fraktionen. Einen Fraktionszwang gab es angesichts der immensen Bedeutung in dieser Sache nicht. Wir haben aber n i c h t gegen den Bürgermeister oder die Fraktion gestimmt, sondern ausschliesslich f ü r Gespräche mit den Vertretern der Stadt Bersenbrück, auch wenn einige dieses gerne anders sehen möchten.  
Für absolut bösartig halte ich die auch noch mit einem Fragezeichen versehene Bemerkung…“….das Beste für unser Dorf ?...“  

Wir haben als gewählte Bürgervertreter in dieser Angelegenheit entschieden. Die ablehnende Fraktion aus Sorge darüber, dass bei diesen Gesprächen nichts Gutes für Ankum herauskommen kann. Die zustimmende Fraktion in der Hoffnung (nicht im Wissen darüber), d a s s etwas Gutes für Ankum dabei entstehen könnte. Die Intention aller 20 Ratsmitglieder war und ist absolut identisch:…wir wollen das Beste für Ankum und wir möchten dem Ort und den dort lebenden Menschen keinen Schaden zufügen. Nur der Weg dorthin wird eben unterschiedlich interpretiert. Nichts anderes hat diese Abstimmung ergeben.  
Und deshalb sind auch solche Begriffe wie..“….verkaufen…“ oder….“Ankum verraten….“ schlicht und einfach falsch. Man wird damit der Sache in keiner Weise gerecht und man beleidigt alle Ratsmitglieder, egal welche Position sie zu diesem Thema vertreten haben.  

Thema Einheitsgemeinde und Bürgerbeteiligung: Wir haben noch lange keine Einheitsgemeinde, wir werden allerdings Gespräche führen (Zitat aus dem Vorschlag………..ergebnisoffene Gespräche, die zur Bildung einer Einheitsgemeinde führen könnten….).  
Haben viele Leute an diesem Abend eigentlich nicht zugehört ? Tenor aller Bemerkungen der „zustimmenden“ Fraktion war doch, dass dabei eindeutige Vorteile für Ankum herauskommen müssen, ansonsten wird das Buch zugeklappt. Aus die Maus.  

Und, bitteschön, was sollen die ständigen Bemerkungen darüber, dass man die Bürger nicht beteiligt ? Wer sagt das denn ?  
Eine Bürgerbeteiligung ist von allen Ratsmitgliedern ausdrücklich gefordert worden. Eine solche Mitwirkung kann allerdings erst dann erfolgen, wenn die ersten Gesprächsergebnisse vorliegen. Vorher hängen wir doch im luftleeren Raum. Zu Recht hat Bürgermeister Ferdinand Borgmann auf einige Fragen in der Bürgerfragestunde keine Antwort geben können. Er war wenigstens so ehrlich zu sagen:…“.das kann ich nicht beantworten……“. Konnte er auch nicht, weil ja noch gar keine Gespräche stattgefunden haben.  
Es wird in den nächsten zwei Jahren eine Vielzahl von Veranstaltungen geben, auf denen sich die Bürger informieren und ihre Fragen zum Thema Einheitsgemeinde stellen können.  

Weiter sagt H.J., dass er bisher keine Vorteile für Ankum hat ausmachen können, sondern…..“ganz im Gegenteil….“. Was ist denn das Gegenteil ? Vielleicht kann er das ja mal konkretisieren. Solche Bemerkungen in den Raum stellen kann jeder, aber darauf antworten, das scheint wohl etwas schwieriger zu sein. Zu schwierig ?  

Ob Ankum bei den anstehenden Gesprächen von vornherein im Nachteil ist, wage ich zu bezweifeln. Aber wie schon gesagt, das werden erst die Verhandlungen ergeben. Alles andere ist zum jetzigen Zeitpunkt reine Spekulation.  

Noch eine Schlussbemerkung:….Was soll das heissen, ……in so kurzer Zeit….?  
Die Gespräche werden zwei Jahre dauern. Kommunalwahlen sind erst wieder im Jahre 2011. Das halte ich für angemessen, was den zeitlichen Rahmen anbetrifft.  

Und, nochmals, wir haben noch lange keine Einheitsgemeinde. Wenn Ankum nicht gewinnt, wird es auch keine geben.  

Karl Bergmann  
Bersenbrücker Str. 11  
49577 Ankum



2 Gewichtige Negativpunkte
Geschrieben von: Holger Johanning

Wenn ich jemanden durch meinen Leserbrief beleidigt haben sollte, so möchte ich mich ausdrücklich dafür entschuldigen, das war nicht meine Absicht. Mein Ziel war es, zum kritischen Mitreden und -diskutieren zu animieren.  

Abschließend möchte ich noch sagen, dass ich die im letzten Absatz beschriebene mögliche Unselbständigkeit Ankums durch Bildung einer Einheitsgemeinde und die durch dieses Thema entstandene Unruhe und Ungewissheit insgesamt durchaus für gewichtige Negativpunkte halte.  
Holger Johanning  
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