Ankumer Rat wählte Detert Brummer-Bange zum Bürgermeister
Sonntag, den 13. November 2011 um 23:02 Uhr
Viel Entgegenkommen allseits in der konstituierenden Ratssitzung – CDU-Fraktion rang sich mühevoll zur Mitwahl des stellvertretenden Bürgermeisters - Losglück für Bündnis 90/Grüne
Ankum. (fr) Andernorts stürmen Bürger Ratssitzungen, um zu protestieren, in Ankum kamen sie zahlreich ins Hotel Schmidt, um zu applaudieren: Das Bestreben aller Ratsfraktionen um ein neues politisches Miteinander in der Kommunalpolitik, die durchgeführten Wahlen und die gefassten Beschlüsse der konstituierenden Sitzung, fanden reichlich Unterstützung im Publikum.

Einleitend begrüßte Ferdinand Borgmann als scheidender Bürgermeister die Mitglieder des neuen Rates, die fast vollzählig erschienen waren, nur Günther Kosmann war dienstlich verhindert und verweilte zu jener Stunde in Hamburg. Als Altersvorsitzender übernahm damit sogleich der Polizist Hermann Steffen, seit Februar just 57-jährig, die Feststellung der ordnungsgemäßen Ladung, der Anwesenheit und Beschlussfähigkeit, und er tat dieses durchaus humorvoll. So bekamen auch die eigentlich sehr blassen Tagesordnungspunkte einige bemerkenswerte „Farbtupfer“. Per Handschlag nahm Bürgermeister Borgmann anschließend alle Ratsmitglieder in die Pflicht, sich für das Dorf einzusetzen und die Gesetze zu achten.
Der neue Rat der Gemeinde Ankum verzeichnet 4 eigenständige Fraktionen: Die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG) mit 11 Mitgliedern, die Christlich Demokratische Union (CDU) mit 6 Mitgliedern, sowie mit je 2 Mitgliedern die Sozialdemokratische Partei Deutschland (SPD) sowie Bündnis90/Die Grünen. Weitere Angaben zu den Mitgliedern der Fraktionen und die Namen der Vorsitzenden, können Sie hier nachlesen.
Für die UWG-Mehrheitsfraktion schlug Johannes Dettmaring danach Detert Brummer-Bange als Kandidaten zur Wahl des Bürgermeisters vor. Die UWG habe den Wahlkampf zwar ohne Benennung eines BM-Kandidaten geführt. Es sei aber beschlossen gewesen, dass gegebenenfalls das UWG-Ratsmitglied mit den meisten Wählerstimmen Bürgermeister werden solle.
Frank Gösling gab sogleich bekannt, dass auch die CDU-Fraktion Detert Brummer-Bange als Bürgermeister-Kandidaten mittragen werde. Die CDU wolle Brummer-Bange durchaus gern einen Vertrauensvorschuss geben und sich auf das UWG-Versprechen verlassen, die Ratspolitik öffentlicher, transparenter und konstruktiv zu gestalten. „Der Rat sollte eine konstruktive Einheit bilden“, die sich für Ankum engagiert, in der aber Streitigkeiten in der Sache nötig und zulässig seien, so Gösling.
Ein lang anhaltender Applaus der Zuschauer erfüllte dann den Saal im Landhotel Schmidt, als alle Ratsmitglieder Detert Brummer-Bange zum neuen Bürgermeister der Gemeinde Ankum wählten, und es kehrte eine nahezu andächtige Stille ein, als Hermann Steffen dem neuen Bürgermeister den Eid abnahm.
„Jetzt geht es an die Arbeit“, sagte Brummer-Bange kurz drauf voller Tatendrang, bevor er sich bei den Mitgliedern des Rates für das Vertrauen bedankte. „Auf kommunaler Ebene gefällt mir der Begriff der Opposition nicht“, sagte er, und wünschte sich eine konstruktive Arbeit des Rates über alle Fraktionsgrenzen hinweg.
„In unserer Fraktion reicht die Spannweite von einer vollständigen Ablehnung bis hin zur Unterstützung mit Vertrauensvorschuss“, berichtete für die CDU Frank Gösling, als die UWG wenig später Klaus Menke als Kandidaten für das Amt des stellvertretenden Bürgermeisters vorschlug. Im Verhältnis der CDU zum ehemaligen CDU-Ratsherren Menke sind offenbar noch manche Dispute nicht aufgelöst. „Die CDU möchte heute aber auch einen Schnitt machen“, sagte Gösling und sicherte als ein sehr bedachtes Entgegenkommen, die Mitwahl des Kandidaten zu. Somit wurde auch Klaus Menke einstimmig zum stellvertretenden Bürgermeister der Gemeinde Ankum gewählt.
Mit dem Hinweis, dass die UWG-Ankum zukünftig mehr Öffentlichkeit in der Ratsarbeit möchte, erklärte Bürgermeister Detert Brummer-Bange, die Erweiterung des Ausschusses Infrastruktur und Umwelt um den Bereich „Planen und Bauen“, der bislang dem Verwaltungsausschuss zugeordnet war (Anmerkung der Redaktion: Mutmaßlich werden hiermit aber auch nur Bedenken des Nds. Ministeriums für Inneres und Sport gegen das bisherige Handeln im Verwaltungsausschuss ausgeräumt).
Brummer-Bange wünschte sich dem Publikum zugewandt auch allgemein eine stärkere Teilnahme der Bürger als Zuhörer in den Sitzungen der Ausschüsse, die ansonsten strukturell unverändert bestehen bleiben. (Eine Übersicht können Sie hier nachlesen.)
Da pro Ausschuss in Ankum nur 5 stimmberechtigte Ratsmitglieder möglich sind, musste gemäß gesetzlicher Bestimmungen das Los darüber entscheiden, in welchen Ausschüssen die Fraktionen SPD oder Bündnis 90/Grüne ein stimmberechtigtes oder nur beratendes Mitglied entsenden. Das Losglück entschied, dass die SPD im Verwaltungsausschuss ein Stimmrecht erhält, in allen anderen Ausschüssen fiel das Stimmrecht der Fraktion Bündnis 90/Grüne zu.
Die wohl wichtigste Probe im neuen Miteinander stand an, als der UWG-Bürgermeister die Wahl der stellvertretenden Ausschussvorsitzenden den konstituierenden Ausschusssitzungen anheim stellen wollte. Hier widersprach die CDU und forderte die Wahl dieser Ämter noch in der konstituierenden Sitzung des Rates. Brummer-Bange unterbrach daraufhin die Sitzung, die Chefs der Fraktionen trafen sich eiligst, nach knapp 5 Minuten war eine Einigkeit hergestellt: Auch die stellvertretenden Ausschussvorsitzenden wurden noch in der aktuellen Sitzung gewählt.
Sascha Dewitz äußerte für die CDU dann noch fast schon ausgeräumte Bedenken gegen den Vorschlag der UWG, die Geschäftsordnung des Rates erst in der kommenden Ratssitzung zu beschließen. Im Ergebnis beschloss der Rat, dass die neue Geschäftsordnung zwingend im Zuge der nächsten Sitzung zu verabschieden ist.
Übrigens: Ankums Verwaltungschef Michael Wübben erhielt bar jeder Diskussion die Zustimmung des Rates für weitere 5 Jahre im Amt. Eine Überraschung ist das nicht, der Verwaltungsvertreter des Bürgermeister genießt in Ankum seit Jahren viel Vertrauen.
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