Desolates Turmmauerwerk am „Artländer Dom“

Dramatische Schäden am fast 500 Jahre alten Ankumer Wahrzeichen Hoch über den Dächern Ankums trafen sich Bau- und Denkmalfachleute, um die Schäden am Kirchturm zu analysieren

Ankum, (to) Einen herben Rückschlag bei den umfassenden Sanierungs- und Erneuerungsarbeiten am „Artländer Dom“ mussten jetzt die Verantwortlichen der Ankumer St.-Nikolaus-Kirchengemeinde hinnehmen. Beim letzten Bauabschnitt, der Sanierung des Turmmauerwerks, wurden teils dramatische Schäden festgestellt, die in diesem Ausmaß bislang nicht bekannt waren. Große Teile des Ankumer Wahrzeichens sind mit einem Gerüst versehen, sie werden es wohl auch noch eine Zeit lang bleiben.

Die ersten beiden Bauabschnitte an der St.-Nikolaus-Kirche von April bis Oktober 2008 hatten prima geklappt.  Nicht zuletzt hatte man Dank der guten Witterung den Zeitplan absolut einhalten können. Unter anderem wurde in den vergangenen Monaten das komplette Kirchendach erneuert und neu eingedeckt.  Das dicke Ende bei der umfassenden Sanierung kam jetzt, als der dritte und letzte Bauabschnitt angegangen wurde. Hierzu gehört die Fugensanierung der Süd- und Westseite des wuchtigen Kirchturms, der zu großen Teilen aus dem Jahr 1514 stammt. Fachleute des Steinmetzbetriebes Paetzke aus Hörstel entdeckten beim Ausstemmen des alten Fugenmörtels - diese Tätigkeiten gehören zu den vorbereitenden Arbeiten der eigentlichen Neuverfugung -  ganz erhebliche Schäden am Mauerwerk.  Diese jetzt festgestellten Missstände sind allerdings im Ausmaß weitaus höher, als vorher angenommen werden konnte. Großflächig ist das Mauerwerk am Ankumer Kirchturm in einem sehr schlechten Zustand, besonders große Schäden sind auf der Westseite zu finden

Sofort nach bekannt werden der Schäden wurde umgehend eine Baubegehung anberaumt, an der Fachleute der Niedersächsischen Denkmalschutzbehörde, des Bischöflichen Generalvikariats, des Architekturbüros Recker, eines Steinmetzmeisterbetriebs sowie Dipl.-Ing. Peter Bokeloh als Vorsitzender des Bauausschusses vom Ankumer Kirchenvorstand teilnahmen. Das Ergebnis dieser Begutachtung durch die Spezialisten war ebenso eindeutig wie niederschmetternd: Das wuchtige Natursteinmauerwerk an der West- und Südseite befindet sich in einem desolaten Zustand. Es besteht aus „Ueffelner Sandstein“, vor Jahrhunderten mit  Luftkalk gemauert. Durch Bindemittelverlust in Folge von Durchfeuchtungen und Regenwassertransport nach außen sowie nicht zuletzt dem über Jahrhunderte abwechselnden Frost- und Tauwechsel hat das Mauerwerk seine ursprüngliche Stabilität verloren. An vielen Stellen fast nur noch aus Sand besteht der alte Fugenmörtel, die Steine werden größtenteils nur durch den Verbund gehalten.

„Der Mörtel besteht größtenteils nur noch aus Humus und ungebundenen Sand“, erklärten Peter Bokeloh und der bauleitende Architekt Uli Recker aus Westerstede. Das Mauerwerk halte fast ausschließlich nur noch durch den Steinverband. Anlässlich der Begehung konnten bei den betroffenen und gelockerten Mauerwerksabschnitten Schäden bis zu einer Tiefe von bis zu 80 Zentimeter festgestellt werden.

Auch die Hauptursache für die dramatischen Schäden machten die Fachleute aus. Am Tag, als die Experten zur Baubegehung in Ankum hoch oben auf dem Gerüst zusammentrafen, herrschte Regenwetter, so dass aus erster Hand live verfolgt werden  konnte, wie das Regenwasser ungehindert über die offenen Fugen in das Mauerwerk eindrang. „Kommt noch der Winddruck hinzu, wird das Wasser überhaupt nicht mehr vom Bauwerk abgeführt, im Gegenteil, es wird regelrecht in das Mauerwerk `gedrückt`“, so Peter Bokeloh. Die Baufachleute erkannten auch Wasserschläge im Natursteinmauerwerk und zu kurze Wasserspeier, die das Regenwasser eigentlich schadlos ableiten sollen, ebenso eine unsachgemäße Verfugung, die schon vor Jahren einmal stattgefunden hatte. Alles zusammen habe zu den jetzt festgestellten Schäden geführt, die nun im dritten und letzten Bauabschnitt der Ankumer Kirchensanierung ein „echter Schlag ins Kontor“ sind. Ankums Wahrzeichen umgibt ein weithin sichtbares Gerüst, auch in den kommenden Wochen wird man dieses Bild antreffen

Fazit: Da durch das lose Mauerwerk und herausfallende Steine eine „konkrete Gefahr“  vorhanden ist, müssen ohne Zeitverzug die Schäden behoben werden. Hierfür sind die Fugen komplett auszustemmen, anschließend  muss eine „Austrocknungsphase“ von gut acht Wochen eingelegt werden. Nach der erfolgten Austrocknung kann das alte Mauerwerk konstruktiv und in echter Handwerksarbeit durch einen Steimetzbetrieb wieder instandgesetzt werden. Durch diese unvorhergesehenen Arbeiten wird sich der dritte und letzte  Sanierungsabschnitt je nach Witterung auf gut sechs Monate erstrecken.

Die zusätzlichen Kosten für die Sanierung des fast 500 Jahre alten Kirchturms, der sich als Wahrzeichen seit Jahrhunderten trutzig weit über das Ankumer Land erhebt, werden voraussichtlich 120.000 Euro betragen, so dass sich die Gesamtkosten mit den bereits abgeschlossen beiden anderen Sanierungsphase  auf gut 900.000 Euro belaufen werden. Der von der Kirchengemeinde Ankum zu tragende Anteil steigt damit auf gut 350.000 Euro, die Verantwortlichen der St.Nikolaus-Kirchengemeinde appellieren aus diesem ganz besonderen Umstand nochmals eindringlich an die Spendenbereitschaft der Bevölkerung.

 Text und Bilder: Thomas Oeverhaus

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