Das Brauchtum des Ankumer Turmsingens boomt weiter!

Rekordbeteiligung auf dem Turm und vor den Marktbögen

Ankum. (to) In Ankum lebt der uralte Brauch des „Lienesch_Middewinter-Singen" nicht nur weiter, er lebt von Jahr zu Jahr mehr auf. So war auch in diesem Jahr der Ansturm der Sänger am Tag vor Heiligabend wieder enorm. Gut 130 Männer jeglichen Alters hatten sich aufgemacht, um die Stufen des Turms der St.-Nikolaus-Kirche hinaufzusteigen, mehrere hundert Interessierte hatten sich vor dem Marktbögen versammelt. Dicht gedrängt versammelten sich am Tag vor Heiligabend über 130 Männer auf dem Ankumer Kirchturm, um am uralten Brauchtum des „Lienesch-Middewinter-Singen“ teilzunehmen.

Auch diesmal wurde wegen des rekordverdächtigen Sängeransturms wieder auf zwei „Ebenen" gesungen, nämlich auf der Plattform unterhalb des Glockenstuhls und eine „Etage" darunter. Die mehrere Jahrhunderte alten Weihnachtsliederlieder wie „Triumph, Triumph die Zeit ist da" oder „Auf Fürsten, auf von eurem Thron" waren zu hören, unterbrochen jeweils vom eigentümlichen Glockengeläut, dem typischen Ankumer „Beiern", sowie kräftigen Tuba-, Trompeten- und Posaunenklängen einer siebenköpfigen Bläsergruppe.

Ebenso wie das eigentliche Turmsingen gehört auch die anschließende Einkehr zu einem „kühlen Trunke", wie aus alten Unterlagen hervorgeht, schon immer zu den festen Ritualen des Lienesch-Middewinter-Singens. Günther Trienen vom Ankumer Heimatverein freute sich im vollbesetzten Hotel Raming darüber, dass sich der „Boom" beim Turmsingen auch in diesem Jahr fortgesetzt hatte. Trienen nutzte die Gelegenheit, um mit einigen Anmerkungen zum Thema „Warten" die Sänger zum Nachdenken anzuregen. Schon vor 40 Jahren waren Eugen Rumker, Hubert Graupe, Hermann Oeverhaus, Georg Böckmann und Werner Geers beim Liensch-Middewinter-Singen mit von der Partie. Unser Foto zeigt sie mit Günther Trienen vom Heimatverein (dritter von links) und „Ehrengast“ Volker Kupka (rechts), bis vor kurzem Vikar in Ankum.

Georg Böckmann berichtete davon, wie er vor exakt 40 Jahren zum ersten mal als „jünger Bönsel" beim Turmsingen mit von der Partie war. „Damals waren wir 14, 15 Sänger auf dem Turm", so Böckmann. Einige damalige Mitstreitern Böckmanns aus dem Jahr 1969 waren auch vier Jahrzehnte später bei diesem uralten Ankumer Brauchtum mit von der Partie: Hubert Graupe, Werner Geers, Eugen Rumker und Hermann Oeverhaus.

Eigens aus seiner (alten) und neuen Heimat Bremen hatte sich Volker Kupka aufgemacht, noch bis vor wenigen Wochen als Vikar in Ankum tätig. Der mittlerweile in der Hansestadt als Pastor wirkende Geistliche war eigens zum „Lienesch-Middewinter-Singen" nach Ankum gefahren, um an diesem ihm liebgewonnenen Brauchtum teilzunehmen. „Im nächsten Jahr komme ich mit einem vollbesetzten Bus wieder, um Mitgliedern meiner Kirchengemeinde aus Bremen diesen sagenhaften Ankumer Brauch vorzustellen", versprach Volker Kupka.

Mit diesem Ansinnen werden die Bremer Gäste sicher nicht die Einzigen sein, denn nicht nur beim Singen auf dem Kirchturm war eine Rekordbeteiligung zu vermelden: Nachdem in den Vorjahren sich immer mehr „Hörlustige" im Dorfzentrum versammelt hatten, um dem Absingen der Lieder, dem Beiern und den Klängen der Blasmusiker zu lauschen, hatten sich in diesem Jahr mehrere hundert Interessierte vor dem Marktbögen versammelt, die sich mit Glühwein und Waffeln von der Ankumer Frauengemeinschaft stärkten.

Text und Fotos: Thomas Oeverhaus

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