Der Rückblick in die Ankumer Geschichte ist jetzt spannender denn je

Archäologen fanden den „Ankumer Sporn“, die Ecke eines Grubenhauses, einen halben Spinnwirtel und 1200 weitere Fundstücke 090915_01

Ankum. (fr) Noch nie zuvor wurden an der Ankumer Kirchburg mit wissenschaftlichen Methoden Ausgrabungen durchgeführt. Das Wissen um die Geschichte dieser Anlage ist damit tatsächlich nur gering, auch wenn es dazu viele Aufsätze gibt. Umso größer war das Interesse vieler Besucher der archäologischen Führungen am vergangenen Kirmessonntag.

Es war Ankums Pastor Heuermann, der passend zum „Tag des Denkmals“ und in Zusammenarbeit mit den Fachleuten der Kreis- und Stadtarchäologie Osnabrück zu den Führungen an den Ausgrabungschnitten eingeladen hatte.

Er war es auch, der ursprünglich mit Nachdruck auf die Durchführung von archäologischen Ausgrabungen drängte, nachdem Baumaßnahmen zur neuerlichen Hervorhebung oder Wiederherstellung der mittelalterlichen Dorffestung beziehungsweise der späteren Kirchburganlage beabsichtigt wurden.

Da aber Pastor Heuermann an den zwei Führungen nicht termingerecht teilnehmen konnte, nahm sich der Ankumer Landtagsabgeordnete Reinhold Coenen jeweils viel Zeit, um die Führungen einzuleiten und im Hintergrund zu begleiten. 090915_02

Die wissenschaftlichen Erläuterungen präsentierte unterdessen in einer sehr fesselnden Art und Weise der Archäologe Dr. Daniel Hockmann. Selbst erst kürzlich mit der Leitung der Ausgrabungen beauftragt, war der Altertumskundler schon früh mit den Arbeiten an der Ankumer Kirchburg vertraut. Er löst in diesem Projekt den bisherigen Leiter Dr. Sebastian Möller ab.

Beeindruckend erläuterte Hockmann zu Beginn der Führungen die Bedeutung einzelner ausgewählter Fundstücke aus den insgesamt rund 1200 Funden. Vor allem die zahlreichen und unterschiedlichen Keramikbruchstücke erlauben  verlässliche Hinweise zur Datierung ihres Ursprungs, welcher bis in die Zeit um das Jahr 1000 zurückreicht.

Besonders auffällig ist der Fund des mittlerweile sogenannten „Ankumer Sporn“. Dieser sehr alte Bügel eines Reitersporns stellt eine Ausnahme dar, weil er anders als meist gefundene Vergleichsstücke eine doppelte Befestigung mit Schlaufe und Niet aufzeigt.

Diese Seltenheit lässt auf die Nutzung durch eine hochgestellte Person schließen, macht allerdings – weil eben sehr selten  – auch die exakte Datierung schwierig. Momentan datieren die Fachleute das Fundstück als etwa im Jahr 1000 „weggeworfen“.  Denn tatsächlich lassen viele Fundstücke erkennen, dass sich die Ausgrabungen an der nördlichen Mauer der Kirchburg zeitweise durch einen mittelalterlichen Abfallhufen bewegten. 090915_03

Der Reitersporn selbst war während der Führungen allerdings noch nicht zu besichtigen, seine etwa 400 bis 500 Arbeitsstunden dauernde wissenschaftlich korrekte Restaurierung ist noch nicht abgeschlossen. Momentan wartet er tiefgekühlt und trocken auf seine bestmögliche Wiederherstellung.

Wie Dr. Daniel Hockmann während der gemeinsamen Begehung der Grabungsschnitte danach sehr plastisch darstellte, lassen andere Funde bezogen auf die Zeit der Errichtung der ersten einschiffigen Steinkirche (etwa im Jahr 1100) auf das Bestehen einer kleinen Handwerkeransiedlung schließen.

So wurden Fragmente einer Ecke eines Grubenhauses gefunden, welches zu jener Zeit als vorübergehende Behausung üblich war. In unmittelbarer Nähe fand sich Metallschlacke als Zeugnis einer Metallbearbeitung, etwas entfernt am Ankumer Vogelboll  ein halber Spinnwirtel als Beleg der Textilherstellung. Auch wurden viele Nägel gefunden, die damals von Zimmerleuten gebraucht oder vielleicht als Sargnägel genutzt wurden. 090915_04

Für den Landtagsabgeordneten Reinhold Coenen, der die Verwirklichung der erstmaligen Ausgrabungen an der Kirchburg durch sein Engagement im Niedersächsischen Landtag und durch die Gewinnung von Sponsoren erst möglich machte, sind die bisherigen Funde eine Überraschung, deren wissenschaftliche Auswertung man immer noch abwarten müsse. „Zu Beginn wusste niemand, was die Ausgrabungen ergeben würden“, sagte er mit besonderem Dank an jene, die dieses wissenschaftliche Vorhaben von Beginn an unterstützten.

Wenn sich die bisherigen Ergebnisse bestätigen, sollte auch nach Möglichkeiten gesucht werden, die Erforschung der Ankumer Geschichte fortzusetzen. Denn so Coenen: „Wir sollten nicht nur wissen, wohin wir gehen, sondern auch, woher wir kommen!“  Auch wünschte er sich, dass sich noch viele weitere Besucher von der akribischen Suche nach den historischen Spuren begeistern lassen.

Die Fachleute sind bis zum Oktober  jeweils am Montag bis Donnerstag von 10:00 bis 16:00 Uhr und am Freitag von 10:00 bis 13:00 Uhr vor Ort anzutreffen. Wer mag, darf die wissenschaftlichen Arbeiten jederzeit gern in Augenschein nehmen.

Weiter lesen:
> Die Internetseiten der Stadt- und Kreisarchäologie Osnabrück

Banner
Banner

Ankumer Notizen

Banner

Ausstellungen

Banner

Ankum in Funk und Fernsehen

   Unwettergefahr

 

   © Deutscher Wetterdienst, (DWD)
Banner
Banner

Blutspendetermine DRK Suche

DRK-Blutspendetermine Logo
Suchen Sie Ihren aktuellen Blutspendetermin in:
 

Ihr Ankum-Online-Team zwitschert

twitter_icon