2 Millionen Euro für die frühkindliche Bildung – Ein Paradestück Ankumer Kommunalpolitik
Geschrieben von: Franz Raschke Samstag, den 12. September 2009 um 05:34 Uhr
Ankumer Gemeinderat beschloss einstimmig den Neubau des katholischen Kindergartens St. Nikolaus
Ankum. Von Beginn an standen die Vorbereitungen des Ratsbeschlusses unter einem gewissen Zeitdruck Umso bemerkenswerter ist, dass dennoch alle Beteiligten vorab intensiv in die Planungen eingebunden wurden und am Ende ein tragender Konsens weit über den Grenzen des Ankumer Gemeinderates hinaus erreicht wurde. Man darf berechtigt sagen: Ankum steht geschlossen hinter diesem Neubau-Beschluss.

Zur Vorstellung des nun als endgültige Vorlage beschlossenen Entwurfes innerhalb der Ratssitzung am vergangenen Donnerstag waren wieder zahlreiche Zuschauer erschienen, vor allem auch die Mitarbeiterinnen des Kindergartens und Pastor Heuermann als Vertreter der Kirchengemeinde. Ihnen kommt im Übrigen auch ein nicht unbeträchtlicher Anteil an der Konzeptentwicklung zu. 
Damit zur Geschichte des nun gefassten Ratsbeschlusses.
Dass der katholische Kindergarten an der Ankumer Lindenstraße dringend einer Renovierung bedurfte, ist seit langer Zeit bekannt. Mauer- und Dachwerk sind marode, die Energiebilanz (Strom-/Heizkosten) ist grauenhaft und die Räumlichkeiten selbst genügen modernen pädagogischen Anforderungen schon lange nicht mehr. Experten rieten sofort von einer Renovierung ab, ein Abriss und ein nachfolgender Neubau sei die einzig vernünftige Lösung..
Die Idee des Ankumer Investors Georg Dobelmann, eben genau auf der Fläche des Kindergartens, des Jugendheims und des „Fun-Parks“ ein neues Freizeit- und Einkaufszentrum zu errichten, brachte dann Schwung in die ohnehin dringliche Angelegenheit.
In einer enger Zusammenarbeit zwischen der Gemeindeverwaltung und der katholischen Kirchengemeinde sowie der Diözese Osnabrück wurde alsbald angedacht, den Kindergarten in den Bebauungsbereich „Im Grunde“ zu verlegen und hierbei die Nähe zum erst im vergangenen Jahr gebauten Niels Stensen Pflegezentrum konzeptionell zu nutzen.
Bald darauf wurde eine 15-köpfige Planungsgruppe gebildet, in welcher Vertreter des Bistums Osnabrück, der St. Nikolaus Kirchengemeinde, der Gemeinde Ankum und der Samtgemeinde Bersenbrück an einem Tisch saßen. Ideen wurden gesammelt, vor allem auch im Kindergarten St. Nikolaus und innerhalb der Kirchengemeinde, und Konzeptvorgaben wurden entwickelt. Im Anschluss schrieb die Gemeinde Ankum als größter Kostenträger im Vorhaben, einen Architektenwettbewerb innerhalb der Samtgemeinde Bersenbrück aus.
Zuletzt entschied nun ein Hauptpreisgericht mit auserlesenen Experten über den besten -anonymisiert (!)- vorgestellten Entwurf und wie Bürgermeister Borgmann während der Ratssitzung bemerkte, war hierbei die Sachkunde während des Vergleiches der Entwürfe beeindruckend. Am Ende entschied sich das Gremium für einen Entwurf des Dipl. Ing. Werner Hüdepohl aus Rieste, Teilhaber im Planungsbüro Scholz-Hüdepohl-Ferner in Osnabrück. 
Der Entwurf sieht keinen großen in sich geschlossenen Gebäudekomplex vor. Zur Bebauung im Wohngebiet passend, werden einzelnen kleinere Gebäude errichtet, die einen Innenhof umschließen, weitestgehend ohne Flachdächer auskommen und von mehreren äußeren Spielflächen unterschiedlichen Charakters umgeben werden. Großflächige Frei- und Lichträume fügen sich hierbei spielend zueinander.
Im Zugangsbereich begibt man sich laut Plan zunächst an der Hebammen-Praxis und dem Gebäudeteil der Krippengruppe (mit eigenem Garten) vorüber und kehrt ein in eine helle und den Blick nach außen erhaltende zentrale Halle.. Von hieraus gestaltet sich der Zugang zu den fünf Gruppenräumen, die je über einen eigenen Abstellraum und einem innenhofseitigen Treppenzugang zur Galerie verfügen, sowie zum Bewegungsraum mit einer Fläche von etwa 70 m². Im gesonderten Personalbereich werden ein Büro, ein Mitarbeiterraum, eine Küche sowie weitere Funktionsräume und ein Werkraum zur Verfügung stehen. 
Wie sich aus den Besprechungen während der Sitzung oder aus Anmerkungen in der Bürgerfragestunde ergab, lässt der vorgelegte Entwurf spätere Erweiterungen ebenso zu, wie auch eine gegebenenfalls notwendigen Umfunktionierung der Hebammen-Praxis, falls die Kirchengemeinde das diesbezügliche Mietverhältnis irgendwann einmal kündigen sollte.
Auch hinsichtlich der entstehenden laufenden Kosten des Neubaus wurden intensive Überlegungen unternommen. Die Planungen sehen hohe Anforderungen an die Energiebilanz der Gebäude vor und es ist beabsichtigt, im Wärmebereich eine Anbindung zur Biogasanlage Lienesch zu nutzen.
Wie bereits berichtet, wurden seitens des Rates schon früh im Planungsvorgang die Gesamtkosten für den Kindergarten-Neubau auf die Summe von 2 Millionen Euro begrenzt. Noch überschreiten die Kosten des aktuellen Entwurfes diese Vorgabe, es muss also noch nachgeplant werden.
Größere Schwierigkeiten dürfte unterdessen die Einhaltung des Zeitplanes bereiten, welcher vom Dipl. Ing. Werner Hüdepohl als eine sehr „sportliche“ Vorgabe empfunden wurde. Es ist eher unwahrscheinlich, dass der neue Kindergarten – wie ursprünglich beabsichtigt – bereits zum 1. August 2010 fertig gestellt werden kann. 
Darin sah der Ankumer Gemeinderat in jüngster Sitzung aber weniger ein Problem als vielmehr einen Ansporn. Laut Beschluss soll jetzt eine neue Arbeitsgruppe die nun stattfindenden Umsetzungen der Planungen begleiten. Mitglieder dieser Arbeitsgruppe sind neben dem Bürgermeister, dem Verwaltungschef Michael Wübben und Vertretern des Architektenbüros auch die Ratsherren Günther Kosmann (CDU) und Christian Pohlmann (FDP), sowie die Leiterin des Kindergartens Frau Thale.
Nach Abschluss der öffentlichen Ratssitzung und nachdem alle Zuschauer gegangen waren, bedankte sich Pastor Heuermann im Namen der Kirchengemeide noch persönlich bei allen Ratsmitgliedern. Der jetzt getroffene Beschluss des Rates weist nicht nur tatkräftig in die Zukunft, er zeugt auch von einem Miteinander im Ankumer Dorf, welches kaum besser gelingen kann.
Weiter lesen:
> Die Homepage des Planungsbüros Scholz-Hüdepohl-Ferner
Bilder im Großformat (Verweise öffnen ein neues Fenster)
> Der Kindergarten-Neubau – Ansicht von Westen
> Die Planungsskizze: Innenhof
> Der Grundriss des Bauvorhabens
> Die Isometrie – Eine Perspektive der Gebäudeanordnung
> Der Lageplan des Kindergarten-Neubaus im Bebauungsgebiet „ Im Grunde“
Uns besonders wichtig:
Wir danken dem Osnabrücker Büro Scholz-Hüdepohl-Ferner für die freundliche Überlassung der Planungsunterlagen.
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