Turmsänger stimmten sich auf Weihnachten ein

Uralter Brauch lebt in Ankum weiter

Vor den Ankumer Marktbögen lauschten vielen Zuhörer den alten "Lienesch-Middewinter"-Gesängen , der Blasmusik sowie dem "Beiern" vom Kirchturm und ließen sich mit Glühwein, Schmalzbrot und anderen leckeren Sachen von der Frauengemeinschaft bewirtenAnkum. (to) Der Start in die Weihnachtsfeiertage beginnt in Ankum traditionell mit dem „Lienesch-Middewinter-Singen“. Auch in diesem Jahr war der Ansturm der Sänger am Tag vor Heiligabend enorm.

Über 120 Männer jeglichen Alters hatten sich aufgemacht, um die alten, abgewetzten Steinstufen des wuchtigen Turms der St.-Nikolaus-Kirche hinaufzusteigen, um an dem uralten Brauch teilzunehmen.

Auch diesmal wurde wegen des großen Sängeransturms wieder auf zwei „Ebenen“ gesungen, nämlich auf der Plattform unterhalb des Glockenstuhls und eine „Etage" darunter. 

Die mehrere Jahrhunderte alten Weihnachtslieder wie „Triumph, Triumph die Zeit ist da“ oder „Auf Fürsten, auf von eurem Thron“  waren bis an die Dorfgrenzen zu hören, unterbrochen jeweils vom eigentümlichen Glockengeläut, dem typischen Ankumer „Beiern“, sowie kräftigen Tuba-, Trompeten- und Posaunenklängen der Bläseregruppe unter der Leitung von Rudi Fissmann. Das Anstimmen der uralten Lieder hatte in diesem Jahr wieder Georg Böckmann übernommen, der auch das traditionelle Schlussgebet am Ende der Feierstunde vortrug. 

Dicht an dicht drängten sich auch in diesem Jahr wieder die Teilnehmer auf dem Turm beim Ankumer Lienesch-Middewintersingen.Ebenso wie das eigentliche Turmsingen gehört auch die anschließende Einkehr zu einem „kühlen Trunke“, wie aus alten Unterlagen hervorgeht, schon immer zu den festen Ritualen des Lienesch-Middewinter-Singens. Günther Trienen vom Ankumer Heimat- und Verkehrsvereins freute sich im bis auf den letzten Platz besetzten Hotel Raming darüber, dass sich der „Boom“ beim Turmsingen auch in diesem Jahr fortgesetzt hatte.

Trienen nutzte die Gelegenheit, um mit einigen Anmerkungen zu den verflossenen zwölf Monaten  zum Nachdenken anzuregen. „Tradition ist nicht das Bewahren der Asche, sondern das Weitertragen der Flamme“, so zitierte er eine Aussage von Thomas Morus. Symbolisch  - auch für andere langgediente Turmsänger – überreichte Trienen einem Ankumer Stammtisch für dessen zwanzigste, ununterbrochene aktive Teilnahme am Turmsingen eine kleine Erinnerungsurkunde.

Seit 20 Jahren nimmt der Stammtisch "Koma-Kränzer" ununterbrochen aktiv am Turmsingen teil. Mit einer kleinen Urkunde wurde das Engagement der Stammtischbrüder durch Günther Trienen vom Heimatverein Ankum (stehend, dritter von rechts) geehrt. Auch Vikar Volker Kupka (stehend, zweiter von links) gratulierte den Stammtischlern, die einst als "junge Burschen" vor zwei JahrzehntenNachdem in den Vorjahren sich immer mehr „Hörlustige“ im Dorfzentrum versammelt hatten, um beim Absingen der  Lieder, dem Beiern und den Klängen der Blasmusiker zu lauschen, hatten auch diesmal die Karnevalsfrauen der Katholischen Frauengemeinschaft in Zusammenarbeit mit dem Landhotel Schmidt den Gästen vor den Marktbögen Schmalzbrot, Glühwein, Kinderpunsch und Waffeln  angeboten. 

Die erstmals – der besseren Akustik wegen – oberhalb der Marktbögen aufgestellten Lautsprecherboxen erfüllten ihren Zweck einwandfrei, denn Gesang und Musik aus luftiger Turmhöhe war von den mehreren hundert Zuhörern gut zu vernehmen.

Übrigens: Die Aktivitäten am Fuße des Turmes der Frauengemeinschaft seien ganz im Sinne von Turmsänger und Heimatverein, war von Günther Trienen zu vernehmen. „Wir Turmsänger singen ja nicht für uns,  sondern für alle Einwohner aus Dorf und Kirchspiel Ankum und natürlich auch für die Gäste unseres Dorfes“, so Trienen. Daher sei es sehr erfreulich, wenn sich weitere Aktivitäten entwickelten, die für den Erhalt der Tradition des  Turmsingen dienlich seien. Den Erlös aus den Verkaufseinnahmen wollen die Theaterfrauen wieder einem guten Zweck spenden.

Text: Thomas Oeverhaus / Bilder: Reinhard Saft, Thomas Oeverhaus, Stefan Oeverhaus

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