Stebke: „Bahnbrücke am Bersenbrücker Bahnhof ist ein Skandal!“

Familien mit behinderten Kindern fuhren mit Zug und Schiff zur Insel LangeoogDie Fußgängerbrücke am Bersenbrücker Bahnhof: Unüberwindbar für Menschen mit Gehbehinderungen und Rollstuhlfahrer!

Ankum. Nach ihrem Tagesausflug zur Insel Langeoog würden die Mitglieder der Ankumer Selbsthilfegruppe „Stebke“ eine Bahnfahrt auch für Rollstuhlfahrer gern empfehlen, wäre da nicht einzig die für Rollstuhlnutzer unüberwindbare Fußgänger-Bahnbrücke am  Bahnhof Bersenbrück.

Am vergangenen Samstag, kurz nach 6:00 Uhr in der Früh, wurde für die Familien mit behinderten Kindern wieder jenes Ärgernis deutlich spürbar, über welches sich die Selbsthilfegruppe bereits im November 2008 heftig beklagte. Nach Umbaumaßnahmen am Bersenbrücker Bahnhof ist der Bahnsteig am hinteren Gleis nur noch über eine Fußgängerbrücke erreichbar. Als einzige Alternative ist der Umweg über den Bahnübergang Bokeler Straße vorgesehen, an der Bahnbrücke fehlt nach wie vor ein Fahrstuhl für gehbehinderte Fahrgäste. Problemlos und gerade für die Kinder spannend: Die Überfahrt zur Insel Langeoog mit der Fähre

„Das ist ein Skandal, was die Deutsche Bundesbahn hier in Bersenbrück den Fahrgästen mit einem Handicap zumutet.“, sagt Reiner Keck als einer der Stebke-Sprecher und beschreibt, wie sehr eine Behinderung für die Betroffenen spürbar wird, wenn allein wegen einer Gehbehinderung die Nutzer von Rollatoren oder Rollstühlen einen Umweg von ca. 500 Metern in Kauf nehmen müssen, nur um  am Bahnhof den richtigen Bahnsteig zu erreichen.

Abseits dieses Bersenbrücker Ärgernisses erlebten die Teilnehmer der Tagesfahrt zur Nordseeinsel jedoch vielerlei Rücksichtnahme und Entgegenkommen, zumal sie sich gut vorbereitet hatten und die Bahn- und Busunternehmen vorab über ihre Reise informierten.

So halfen Mitarbeiter der Nordwestbahn sofort tatkräftig mit, nachdem der Bersenbrücker Umweg bewältigt und der Bahnsteig erreicht war.

Für die Nutzer der 2 Elektrorollstühle und für die weiteren 3 Rollstuhlfahrer wurden vom Zug aus spezielle Rampen ausgefahren und es gab Hilfe beim Verstauen der Rollstühle im Zug. Ebenso unkompliziert und unterstützt geschah das Umsteigen am Bahnhof Sande und die weitere Reise bis Esens, wo bereits mehrere Busse auf die Fahrgäste warteten. Für die Nutzer der Elektrorollstühle stand sogar ein befahrbarer Niederflurbus bereit. Die weiteren Rollstühlen ließen sich in einem Busanhänger verstauen. Mit den Strand-Rolli können auch behinderte Kinder auf der Insel Langeoog Wasser, Strand und Sand handnah und handgreiflich erleben

Auch das Besteigen der Fähre im Hafen Bensersiel gelang allen Mitgliedern der kleinen Reisegruppe, ob gesund oder gehbehindert, völlig problemlos. Im Hafen Langeoog wartete eine Stunde später bereits die dortige Inselbahn mit dem roten (mit einer Rollstuhlrampe ausgestatteten) Waggon. Bis zum Ortskern der Insel waren es dann nur noch wenige Minuten.

Da die Organisatoren der Stebke-Tagesfahrt von vornherein auf ein spezielles Inselprogramm verzichteten, konnten sich die Teilnehmer nun bei bestem sonnigen Wetter und tiefster Ebbe ihr eigenes Inselerlebnis gestalten. Einige zog es eher in den Ortskern, andere direkt an den Strand.

Hilfen für Menschen mit einem Handicap gab es auch hier.  So konnten die Kinder aus ihren Rollstühlen in einen Strand-Rolli wechseln und erstmals wieder seit langer Zeit ihre Füße in das  durch die Ebbe etwas entfernte Meerwasser tauchen, den Sand am Strand erleben und auch Sandburgen bauen. Auch die vorab bestellten Schlüssel für die Behinderten-WCs erwiesen sich als hilfreich. Von der Sonne gerötet trat die kleine Reisegruppe den Rückweg an. Mit viel Lob für die Mitarbeiter der Nordwestbahn und der Auricher Kleinbahn.

Um 16 Uhr ging es dann wieder mit Sonderbussen zurück auf die Fähre und diesmal direkt auf das Vorderdeck des Schiffes, wo gemeinsam das Schlagen hoher Wellen gegen den Schiffsrumpf zu bestaunen war. Eine gute Gelegenheit, um schon einmal Ideen für die nächste Stebke-Tagestour zu entwickeln.

Am Abend wieder am Bahnhof Bersenbrück angekommen, zogen die 21 jetzt sonnengeröteten Eltern und Kinder rundum eine sehr positive Bilanz und lobten besonders die Bahnbegleiter der Nordwestbahn und auch die Busfahrer der Auricher Kleinbahn, die mit ihrem stets unkomplizierten Einsatz der Hilfe den Tagesausflug erst so richtig gut gelingen ließen. 

Eine Bahnfahrt zu den Inseln ließe sich nach all den positiven Erfahrungen somit eigentlich auch allgemein für Rollstuhlfahrer aus der Region empfehlen, gäbe es da nicht den Bahnhof Bersenbrück mit der behindertenfeindlichen Fußgängerbrücke zum Bahnsteig, die zuständige Deutsche Bundesbahn und den für viele Menschen unverständlichen Streit um den fehlenden Fahrstuhl für gehbehinderte Mitbürger.

Weiter lesen:

> Mit einer massiven Barriere behaftet: Der Bahnhof Bersenbrück
> Das Stebke- Diskussionsforum

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