Kirchenvorstand St. Nikolaus lässt Projekte am Marienhospital Ankum-Bersenbrück scheitern
Geschrieben von: Franz Raschke Montag, den 30. Januar 2012 um 21:35 Uhr
Kein Ärztehaus, kein „Betreutes Wohnen“, Neubau der DRK-Rettungswache hängt in der Luft
Ankum. (fr) Wie ein Kugelblitz raste die Nachricht bereits am Sonntag durch das Ankumer Dorf und löste viel Unverständnis aus: Mit 12 Stimmen, bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung, setzte der Vorstand der Kirchengemeinde St. Nikolaus Ankum den zur Baureife gelangten Planungen für ein Ärztehaus und für einen Wohnkomplex mit betreuten Wohneinheiten am Krankenhaus, ein jähes Ende.
Zum Hintergrund:
Seit mehr als 3 Jahren wird diskutiert, am Marienhospital Ankum-Bersenbrück, genauer gesagt auf der der Tütinger Straße angrenzenden Freifläche neben dem Niels-Stensen-Pflegezentrum, ein Ärztehaus zu errichten. Von den ersten Tagen der Idee an, galt der Ankumer Unternehmer Georg Dobelmann als Hauptinvestor in diesem Projekt, es gab danach regelmäßige, enge und partnerschaftliche Gespräche zwischen dem Investor, dem Krankenhaus und der katholischen Kirchengemeinde. Da von dem Bauvorhaben Synergieeffekte zur Stützung des Krankenhausstandortes erwartet wurden, kam es zwischen den beteiligten Gesprächspartnern zu der Zusage, das erforderliche Grundstück für den symbolischen Gesamtpreis von 1 Euro abzugeben.
Im August 2011 wurden dann Überlegungen laut, die dringend modernisierungsbedürfte DRK-Rettungswache – derzeit im Krankenhaus untergebracht - neu zu bauen und eventuell in das Projekt Ärztehaus zu integrieren.
Im gleichen Monat wurde das Vorhaben des Investors Clemens Seelmeyer öffentlich, nahe des Krankenhauses – am Hackmannsboll – einen Wohnkomplex mit 13 bis 14 betreuten Wohneinheiten zu errichten. Für die dafür erforderliche Grundstücksfläche sollte ein Erbbauzins in Höhe von 2,40 Euro pro m² fällig werden. Aufs Ganze gerechnet, kalkulierte der Kirchenvorstand – zu diesem Zeitpunkt - für die Vergabe beider Grundstücke einen Erlös von etwa 4.000 Euro.
Danach und teils auch schon kurz zuvor, kam es zu mehreren Problemen in der Umsetzung der Pläne. Bezüglich des Ärztehauses wurde absehbar, dass sich aus verschiedenen Gründen eine Belegung des Ärztehauses mit 5 Arztpraxen nicht realisieren ließ. Sicher blieb nur noch die Belegung mit einem – aus dem Ort kommenden – Facharzt für Allgemeinmedizin, mit einer Apotheke und möglicherweise einer Praxis für Physiotherapie.
Auch der Bau der Wohneinheiten am Hackmannsboll ließ sich nicht wie gedacht umsetzen. Die Nachbarn erhoben Einspruch gegen den 64 Meter langen Komplex.
Es wurde neu geplant: Nun sollten beide Vorhaben auf dem Grundstück an der Tütinger Straße realisiert werden. Im Gesamtkomplex sollten jetzt eine Arztpraxis, eine Apotheke, die Wohneineinheiten und die DRK-Rettungswache unterkommen. Für den Fall, dass Fachärzte später noch ein Interesse an einer Niederlassung nahe des Krankenhauses anmelden, sicherten die Investoren eine zügige Bauerweiterung zu. Für die Kirchengemeinde war damit jedoch auch die Zusage hinfällig, das Grundstück an der Tütinger Straße weiterhin für den symbolischen Preis von 1 Euro zu überlassen. Zumal nun 6000 m² Fläche gebraucht wurden. Innerhalb neuer Gespräche wurde jetzt ein Erbbauzins in Höhe von 1 Euro pro m² ins Auge gefasst; damit gleichzeitig auch eine deutliche Erlössteigerung (+ 2.000 Euro) gegenüber den vorherigen Erklärungen.
Am Mittwoch der vergangenen Woche trafen sich die Mitglieder des Kirchenvorstands nochmals mit den Investoren. Über den Inhalt dieses Gesprächs liegen uns bislang keine beiderseits bestätigten Informationen vor. Am Samstag musste dann aus Termingründen endgültig darüber abgestimmt werden, ob das Grundstück an der Tütinger Straße mit einem Erbbauzins von 1 Euro pro m² überlassen werden darf. Und obwohl sich hieraus die beschriebene Erlössteigerung gegenüber ursprünglicher Absichtserklärungen ergab, stimmten 12 der 14 stimmberechtigten Vorstandsmitglieder dagegen und ließen damit alle bisherigen Planungen scheitern. Allein Pastor Bernd Heuermann stimmte noch für die baureifen Vorhaben, Diakon Olaf van der Zwaan enthielt sich der Stimme.
Ankums Bürgermeister Detert Brummer-Bange erfuhr während des Neujahrsempfangs der Gemeinde Ankum am Sonntag nur nebenbei von der Entscheidung des Kirchenvorstands. Er sieht die Gemeinde Ankum dadurch aber nicht zu einer Intervention veranlasst. Seitens der politischen Gemeinde seien alle Voraussetzungen für ein Gelingen der Projekte am Marienhospital Ankum-Bersenbrück geschaffen worden. Zudem habe man ihm am Rande mitgeteilt, dass es weitere interessierte Investoren gäbe.
Von neuen Investoren, die sich vorab des Beschlusses der Kirchengemeinde oder dem Krankenhaus mit Planungen vorstellten, weiß Pastor Bernd Heuermann jedoch nichts. Er betrachtet die Planungen für das Ärztehaus und für das "Betreute Wohnen" nunmehr als vollständig gescheitert und hofft, dass sich mit großer Mühe nun zumindest noch ein Investor für den Neubau der DRK-Rettungswache findet.
Den Geschäftsführer des Marienhospitals Ankum-Bersenbrück, Ralf Brinkmann, konnten wir wegen unserer zu späten Anfrage heute leider nicht mehr erreichen. Die Investoren Clemens Seelmeyer und Georg Dobelmann erwägen, in Kürze eine gemeinsame Stellungnahme vorzulegen. Der Kirchenvorstand will - laut Aussage eines Mitglieds - am Mittwoch nochmals zusammen kommen und dann möglicherweise eine Pressemitteilung verabschieden.
Weiterlesen:
03.02.12 - Kirchenvorstand St. Nikolaus steht unumwunden hinter den Projekten am Marienhospital
Ankum. (fr) Im Zusammenhang mit diesem Bericht übersandte uns der Kirchenvorstand der Pfargemeinde St. Nikolaus Ankum am 03.02.2012 eine Stellungnahme, die wir ungekürzt und im unveränderten Wortlaut wiedergeben. (Weiter)
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