"Mit den Kastanien verbinden sich Kindheitserinnerungen vieler Ankumer"

Fällen der Alleebäume ist unvermeidbar - Neuanpflanzungen bereits im Frühjahr

Bei einem Ortstermin informierten die Gemeindevertreter über die geplanten Baumfällungen und Neuanpflanzungen: v.l. Verwaltungsleiter Michael Wübben, Ralf Gramann, Bürgermeister Detert Brummer-Bange, Johannes Dettmaring, Heinrich Möller, Ulla Strauß (Anliegerin)Ankum. (fr) "Mit den Kastanien verbinden sich Kindheitserinnerungen vieler Ankumer", sagte Verwaltungsschef Michael Wübben nicht ohne Wehmut während eines Ortstermins am Vormittag und  Ankums Bürgermeister Detert Brummer-Bange pflichtete ihm bei: "Niemand hat eine Freude daran, diese Bäume zu fällen."

Trotzdem traf der Verwaltungsausschuss der Gemeinde Ankum den einstimmigen Beschluss, alle 16 Kastanien am Wegrand der Kastanienallee zu fällen und durch Neuanpflanzungen zu ersetzen. Tatsächlich gab es auch kaum Spielraum für eine andere Entscheidung. Bereits vor einem Jahr hatten Experten nach aufwendigen Prüfungen beträchtliche Schäden an den Bäumen festgestellt, im Herbst 2011 wurde dieser Befund nochmals bekräftigt.

Bis zu einer Tiefe von 120 cm lief sich der Meterstab in den Stamm des Baumes schieben. (Foto: Gemeinde Ankum)Miniermotten und die Erreger der sogenannten Blattbräune – einer Pilzerkrankung - setzten den Kastanien von der Art der Gewöhnlichen Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) in den vergangenen Jahrzehnten erheblich zu. Die Ausbildung der Blätter im Frühjahr ging deutlich zurück, schon im Sommer fallen gelb verfärbte und eingerollte Blätter, Schnittstellen im Astwerk schlossen sich nicht mehr, in vielen Bereichen sind die Stämme hohl, das Holz der Stämme ist dort weich und zersetzt. Teils lässt sich ein Meterstab von oben metertief und ohne nennenswerten Widerstand in den Stamm schieben.  Laut Expertenmeinung besteht bereits die Gefahr, dass bei stürmischem Wind große Teile des Astwerks abbrechen und dann auf den vielgenutzten Fußweg am Friedhof herabstürzen. Die Gemeinde Ankum ist gesetzlich verpflichtet, auf solche Gefährdungen zu reagieren und vorsorglich tätig zu werden.

Während der Beratungen im Verwaltungsausschuss wurde schnell die Überlegung verworfen, vielleicht einzelne Bäume noch wenige Jahre zu erhalten. Mit dem gleichzeitigen Fällen aller Bäume – und alle Bäume sind krank – soll ein einheitliches Bild der Allee erhalten bleiben. Das Holz in den Stämmen ist an vielen Stellen weich und zersetzt. (Foto: Gemeinde Ankum)Es wurde auch vorgeschlagen, nicht nochmals Kastanien sondern eine völlig andere Baumart zu pflanzen und die Straße "Kastanienallee" danach passend umzubenennen. Doch diese Idee fand nicht nur im Ausschuss keine Mehrheit, sie hätte mutmaßlich auch Proteste seitens der Anlieger und vieler Ankumer ausgelöst.

Entsprechend fiel im Verwaltungsausschuss jetzt zunächst die Entscheidung, die 16 Kastanien möglichst bald zu fällen. Ein Fachunternehmen wurde bereits mit den Arbeiten – die auf ein günstiges Wetter warten - beauftragt. Es besteht auch Einigkeit darüber, dass die zu pflanzenden Bäume bereits eine Wuchshöhe aufweisen sollen, mit der mit der das Bild einer Allee wiederhergestellt wird. Die Neuanpflanzungen sollen noch in kommenden Frühjahr erfolgen.

Gemäss aktueller Überlegungen wird jedoch die Kastanienart gewechselt. Statt der Gewöhnlichen Rosskastanie sollen nun Exemplare der Rotblühenden Rosskastanie (Aesculus x carnea)  gepflanzt werden. Diese Art ist widerstandsfähig gegen Pilzbefall und wird auch nicht von der Miniermotte heimgesucht. Zudem wirft sie weniger Früchte ab als die Gewöhnliche Rosskastanie. Die Entscheidung über die zu pflanzende Kastanienart wird in der kommenden Ratssitzung am 02. Februar – 19 Uhr – im Ankumer Rathaus getroffen.

Das Bild der Kastanienallee wird sich deutlich ändern, aber die Kastanienallee bleibt eine Kastanienallee.Während des Ortstermins, an dem der Bürgermeister und Mitglieder des Verwaltungsausschusses teilnahmen, zu dem sich aber auch Ulla Strauß als Anliegerin spontan gesellte, wies Ralf Gramann – im Hauptberuf Gärtnermeister -  ausdrücklich darauf hin, dass die Schäden an den Bäumen in keinem Zusammenhang mit den Straßenbauarbeiten im Jahr 2008 stehen. Damals wurden entlang der Kastanienallee Kanalarbeiten durchgeführt und das Straßenpflaster erneuert. Der zeitliche Beginn der Baumschädigungen reiche viel weiter zurück. Sich an ein Foto aus dem Jahr 1910 anlehnend, wird das Alter der stehenden Kastanien übrigens auf etwa 120 Jahre geschätzt.

Das Zwingende der Entscheidung sehen auch die Anlieger der Kastanienallee. Schade ist es trotzdem, dass die Zeit der alten Bäume nun abläuft, dass sich das Bild der Straße deutlich ändern wird, und dass sich dort bald nicht mehr so viele Eichhörnchen "spielend" herumtreiben werden. "Aber das ist der Lauf des Lebens", sagt auch Ulla Strauß.

Weiterlesen:
Kastanien der Kastanienallee: Nach über 120 Jahren Lebenszeit müde und marode (Mit Kommentar)


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