Ballonpilot seit 20 Jahren - trotzdem immer wieder ein Highlight im Ballonfahren

Mit einem Heißluftballon über die Alpen nach Italien

Internationale Teams bei der alljährlichen Wintermontgolfiade in Bad Hindelang - Ein Team aus Russland brachte eine Rakete als Heißluftballon-Sonderform mit.Mettingen/Bad Hindelang. (pm) Zurück aus den Bergen ist die Crew um Bettina, Anna-Lena und Rainer Herkenhoff, sowie Elke, Reinert und Thorsten Damnig. Sie nahmen teil an der alljährlichen Wintermontgolfiade in Bad Hindelang.  Im Januar treffen sich dort im Allgäu die Ballonfreunde aus aller Welt.

In diesem Jahr starteten sogar Teams aus Russland mit einer Rakete als Heißluftballon-Sonderform, ein tschechisches Team sowie eine Crew aus Großbritannien. Zahlreiche Deutsche Teams waren ebenfalls am Start. Das Mettinger Ballonteam fährt seit 1988 in das Allgäu,  Anfang 1989 machte Rainer Herkenhoff seine erste Fahrt in einem Heißluftballon in dieser Region.
 
Wie in jedem Jahr deckten sich die Ballonfahrer mit Sauerstoff sowie Radarinstrumenten ein. Der „externe Sauerstoff“ wird zwar für „normale“ Fahrten im Allgäu in Höhen von 1500 bis 3000 Meter nicht benötigt, aber es sollte ja mit etwas Wetterglück noch höher hinaus gehen. Denn nachdem das Wetter in den ersten Tagen den Ballonfahrern nicht unbedingt wohlgesonnen war, zeigte es sich dieses ab dem 3. Veranstaltungstag tatsächlich von seiner Paradeseite; es herrschte Kaiserwetter.  Zwei Starts wurden im Allgäu mit 20 Ballonen je Start unternommen. Gelandet wurde in der Nähe von Nesselwang und Seeg. 

Seit 1988 fährt das Ballonteam Mettingen regelmäßig zur Winterzeit in den AllgäuDie letzte Fahrt hatte es aber in sich. Michael Noll, der Meteorologe vor Ort, stellte den Teilnehmern am letzten Tag die Möglichkeit einer Alpenüberquerung in Aussicht. Weil das Mettinger Ballonteam für diesen Fall komplett ausgerüstet war, kam kein Zweifel auf, diese Alpenüberquerung – falls das Wetter sich wirklich so einstellen sollte – anzugehen.

Am 13.01.12 trafen sich alle Piloten, um über den Trip nach Italien zu sprechen. Ein sogenanntes Briefing ist nötig, um über Besonderheiten einer solchen Fahrt zu fachsimpeln. Gleich darauf packten Reinert und Thorsten Damnig sowie Rainer Herkenhoff alle notwendigen Karten zusammen. Die Fahrtrichtung sollte über Österreich nach Italien führen, das "Ziel" war die Region um Verona.  „Dort sind optimale Landemöglichkeiten“  sagt Rainer Herkenhoff. Für ihn sollte es nach 2001 und 2005 die 3. Alpenüberquerung nach Italien werden. Im Ballonkorb über den Alpen, in Höhen von 4000 bis 5000 Metern

Nach den Vorbereitungen trafen sich die Teams um 8 Uhr am Startplatz. Gemeinsam wurde aufgerüstet, der Start erfolgte um 9.15 Uhr. Mit 2-3 Meter pro Sekunde stiegen die Ballone auf bis auf 5500 Meter Höhe. Bei minus 20°C genossen Damnig und Herkenhoff eine tollen Ausblick auf die Alpenhauptkette.

Herkenhoff: „Man benötigt im Heißluftballon für die Strecke von ca. 230 km - inklusive Start und Landung  -  etwa 3-4 Stunden. Zur Sicherheit plant man aber einen Propangas-Vorrat für ca. 5 Stunden ein.“ Die Geschwindigkeit betrug während der Ballonfahrt zwischen 55 und 65 Knoten (100 bis 125 km/h). Ein Gespür für diese hohe Geschwindigkeit stellt sich jedoch nicht ein.  „Das liegt daran, dass diese langsam zu und abnimmt“, so Herkenhoff.

Wunderbare Ausblicke auf eine fast noch ursprüngliche Gebirgslandschaft

Die Fahrtroute führte über die Allgäuer Hochalpen. Landeck in Österreich wurde aus 4000 Meter gesichtet, auch die Skipisten von Pfunds kamen in Sicht.

Danach ging es mit 120 km/h und in 5000 Metern Höhe über den italienischen Nationalpark bei Bormio Richtung Gardasee. Zwischen dem Gardasee und der österreichischen Grenze ließen sich aus luftiger Höhe zahlreiche Seen entdecken. Zwischen Trento und dem Nordteil des Gardasee (Riva) hatte die Crew viel Zeit und Gelegenheit, den wunderbaren Ausblick zu genießen.

Mit einem Thermoanzug ausgestattet, wurde die Fahrt gleichwohl zunehmend wärmer. Nachdem der Nordwind die Ballonfahrer vorab bei -20 bis -25 Grad über die Alpen getragen hatte, wurden sie bei der Landung in Italien - aufgrund der Föhnwetterlage – mit  10 bis 20 Grad (+) begrüßt.  „Da wird einem ganz schön warm“, sagt Herkenhoff.  Doch natürlich war auch für diesen „Wetterfall“ vorgesorgt,  ein T-Shirt und eine normale Hose waren im Gepäck.
 
Bereits 45 Minuten nach der Landung trafen die Verfolger am Landeplatz ein. Zurück zum Startplatz ging es mit dem Bus des Ballonteams.Der Abstieg aus 5000 Metern Höhe wurde über der Autobahn (Verona nach Venedig) bei Caldiero eingeleitet. Wie schon während der Wetterberatung am Vormittag prognostiziert wurde, nahm die Windgeschwindigkeit beim Abstieg deutlich ab. Schnell noch ein letzter Blick auf Sirmione am Südteil des Gardasees, dann volle Konzentration auf die Landung.

Am Boden wurde die Crew bereits freundlich erwartet. „Die Italiener in dieser Region sind supernett“, meinten Herkenhoff und Damnig voller Begeisterung. Sofort fassten viele Helfer  mit an und unterstützten selbst noch beim Wegtragen des Ballons.

Damit die Ballonfahrer den Rückweg nun aber nicht zu Fuß in Richtung Allgäu zurücklegen mussten, waren die Verfolger bereits früh losgefahren, um zeitnah am Landeort zu sein. Bereits 45 Minuten nach der Landung sammelten sie die Crew und die Ausrüstung ein und mit dem Bus des Mettinger Ballonteams ging es zurück zum Startplatz, der am späten Abend gegen 22 Uhr erreicht wurde.

Weiterlesen:
> Weitere Infos zur Fahrt im Blog: www.ballonnews.de
> Ansicht (Karte) der Fahrtroute – Hier klicken
> Die Internetseiten des Ballonteams Mettingen
> Die Arbeit der Ballonteams Mettingen /Ankum im Bild weiterer Berichte

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