Wahlsensation: UWG-Ankum erreicht aus dem Stand die absolute Mehrheit
Geschrieben von: Franz Raschke Montag, den 12. September 2011 um 03:46 Uhr
CDU mit dramatischen Verlusten – SPD geschwächt – Ein schwarzer Tag für die FDP – Grüne legten zu
Ankum. (fr) Als die ersten Zahlen im Internet veröffentlicht wurden, wurde am Ankumer Kartoffelhaus schon leiser Jubel laut, mit jeder weiteren Aktualisierung der Wahlergebnisse hing mehr und mehr das Unglaubliche in der Luft, und als alle Zahlen bekannt wurden, kannte die Freude kein Halten mehr. Mit einem wohl historisch zu nennenden Wahlerfolg schaffte die UWG-Ankum auf Anhieb die absolute Mehrheit im Rat der Gemeinde Ankum, die CDU erlebte eine katastrophale Wahlniederlage.
Trotz eines engagierten Wahlkampfes mit einem umfassenden Wahlprogramm und vielen personellen Erneuerungen, hatte man sich in CDU-Kreisen schon in den Tagen vor der Wahl auf gewaltige Verluste eingestellt. 75,54 Prozent der Wähler hatte im September 2006 der CDU das Vertrauen geschenkt, nun rechnete man bereits mit Verlusten bis zu 30 %. Doch es kam noch schlimmer: Laut den noch vorläufigen Zahlen setzen nur noch 30,38 Prozent der Ankumer Wähler Vertrauen in die Arbeit der CDU, der Verlust von 45 % lässt sich auch mit dem Wort Erdrutsch nicht mehr ausreichend beschreiben.
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Sascha Dewitz, der als derzeitiger kommissarischer Vorsitzender der CDU-Ankum seine Glückwünsche der UWG-Ankum auch persönlich überbrachte, sieht in dem Wählervotum die Quittung für die CDU-Arbeit in den letzten 10 Jahren. Die dramatischen Verluste seien mit dem geführten Wahlkampf nicht zu erklären, die CDU habe sich neu aufgestellt und für die Bürger geöffnet. Dewitz ist sich auch sicher, dass es abseits dieses Ergebnisses einer nachvollziehbaren Protestwahl, noch immer eine bürgerliche Mehrheit in Ankum gibt.
Nun aber werde die Ankumer CDU aus der Opposition heraus eine konstruktive Mitarbeit im Ankumer Gemeinderat leisten und den Weg der Erneuerung, auch personell, fortsetzen.
Günther Kosmann, der als Bürgermeisterkandidat angetreten war, beschreibt das Wahlergebnis für sich als eine sehr bittere und auch schmerzhafte Niederlage. Die Streitigkeiten zwischen dem Landtagsabgeordneten Reinhold Coenen und dem Bürgermeister Ferdinand Borgmann hätten weit über die Tage hinaus gewirkt und es sei nicht gelungen, die von der CDU formulierten neuen Perspektiven für das Dorf Ankum zu vermitteln. Auch Kosmann gab seine Gratulation an die UWG weiter. Ankums CDU entzieht sich in der Rückschau auf die vergangenen Jahre nicht der Eigenverantwortung für das jetzt erfolgte sehr deutliche Wählervotum.
Der unbestreitbar sensationelle Erfolg der Unabhängigen Wählergemeinschaft fügte aber auch anderen Mitbewerbern spürbare Verluste zu. Die SPD verlor über 6 Prozent und damit einen von drei Sitzen im Gemeinderat. Die FDP, die vor 5 Jahren vor allem in Ankum Stimmen gewann und dann im Ankumer Rat und im Rat der Samtgemeinde vertreten war, erlebte einen rabenschwarzen Wahlabend: Sie ist nun in keinem Rat innerhalb der Samtgemeinde Bersenbrück mehr vertreten. Zusammengefasst entzogen somit viele Wähler auch der SPD/FDP-Gruppe im Ankumer Rat das Vertrauen.
Für die Ankumer Grünen freuten sich am Abend vor allem Ralf Gramann und Florian Brinkmann über den Wahlerfolg. In Ankum legten die Grünen um fast 3 Prozent zu und sind nun in Fraktionsstärke im Ankumer Rat vertreten, sowie mit einem Sitz im Samtgemeinderat. „Damit ist für mich endlich die Einzelkämpferrolle im Ankumer Rat vorbei“, sagte Gramann, der sich vor 5 Jahren ganz bewusst der SPD/FDP-Gruppe nicht anschließen wollte.
Im Rat der Samtgemeinde Bersenbrück setzt sich übrigens das regionale Debakel der CDU fort. Mit erreichten 46,34 Prozent verlieren die Christdemokraten auch hier die absolute Mehrheit. Vor allem der Stimmenverlust der Ankumer CDU rechnet sich hier hoch.

Am Ankumer Kartoffelhaus, dort wo die UWG-Ankum ihre Wahlparty feierte, wurde gleichwohl wenig über die Verluste der Mitbewerber nachgedacht. Gerade erst in diesem Jahr gegründet und sich mit vielen öffentlichen Treffen um die Bürger Ankums bemühend, schaffte man gleich beim ersten Antreten zur Wahl die absolute Mehrheit im Ankumer Rat und 5 Sitze im Rat der Samtgemeinde Bersenbrück. Außerdem wurde der UWG-Kandidat Frank Wöllermann in den Kreistag gewählt.
Ein schier unglaublicher Erfolg, den auch Detert Brummer-Bange als Vorsitzender kaum in Wort fassen konnte. „Wir freuen uns jetzt erst einmal riesig“, sagte er und wollte so recht noch nichts über die jetzt für die UWG anstehende Arbeit sagen. Ein Ausbleiben der Sachinformation, das nun am Ende eines sehr emotionsreichen Wahlabends auch verständlich wirkte.
Ankums Bürgermeister Ferdinand Borgmann, der zu den ersten Gratulanten zählte, sieht im Wahlergebnis einen historischen Wendepunkt, der eine neue Form der Arbeit im Ankumer Gemeinderat erforderlich macht. Die Menschen in Ankum hätten ein deutliches Zeichen gesetzt, um alte Strukturen aufzubrechen. Er selbst gab sich mit diesem Wahlergebnis sehr einverstanden.
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