Schwedsberg: Ein stiefmütterlich behandeltes Industriegebiet
Geschrieben von: Franz Raschke Mittwoch, den 07. September 2011 um 02:35 Uhr
Unternehmer regen einen runden Tisch mit dem zukünftigen Gemeinderat an
Ankum. (fr) Während eines Ortstermins trafen kürzlich Vertreter der Unabhängigen Wählergemeinschaft im Büro der Firma „H + M Aluminium“ mit den Ankumer Unternehmern Hans Korzeczek und Theo Wessendorf zusammen und nahmen viele Überlegungen und Arbeitsempfehlungen für ihre weitere Arbeit mit heim.
Beide Firmenchefs sind mit ihren Unternehmen ganz oder teilweise im Industriegebiet Schwedsberg vertreten und beide gaben zu verstehen, dass sie im derzeit laufenden Kommunal- wahlkampf weder die UWG noch irgendeine andere Partei unterstützen wollen. Sie erwarten von allen zukünftigen Mitgliedern des Ankumer Gemeinderates sich unbeachtet der Parteizugehörigkeit gemeinsam und kooperativ für das Wohl des Dorfes Ankum einzusetzen.
Die derzeit häufig empfohlene Förderung der Touristik-Angebote sei sicherlich wichtig, nicht minder aber auch eine Fortentwicklung der Unternehmen und Betriebe am Standort Ankum. Theo Wessendorf regte mit Zustimmung Korzeczeks an, zukünftig im 1 oder 2- Jahrestakt einen runden Tisch mit allen in Ankum aktiven Groß-, Mittel- und Kleinbetrieben einzurichten, um gemeinsam mit den Gemeindevertretern eine realistische Ausschau auf Probleme, Chancen und geplante Veränderungen - als Grundlage weiterer Planungen innerhalb der Gemeinde - zu erstellen.
Im Gespräch betrachteten die Unternehmer den Standort Schwedsberg als ein in der Vergangenheit „stiefmütterlich behandeltes Industriegebiet“. Dieses gelte hinsichtlich der Vermarktung noch freier Flächen, wie auch hinsichtlich der sehr ungünstigen örtlichen Verkehrsführung. Immer wieder würden sich Zulieferer mit ihren 40-Tonnen-LKWs im Siedlungsbereich Tiefer Weg „festfahren“. Einerseits weil die Fahrer ihren „Navis“ vertrauen, aber auch weil die Ausschilderung des Industriegebietes an den außerörtlichen Verkehrsknotenpunkten praktisch fehlt. Die umständliche Zufahrt über Nortrup, beziehungsweise Druchhorn, sei derzeit der für den Lastverkehr einzig brauchbare Weg.
Hinsichtlich der Nachfrage in den Bereichen Beschäftigung und Ausbildung beschrieben die Firmenchefs der gut ausgelasteten Unternehmen unterschiedliche Problemfelder.
Für die Firma H+M Aluminium, die Zulieferungen und Montagearbeiten bis weit über die Grenzen Deutschlands hinaus ausführt, ist der Bedarf an ausgebildeten Fachkräften sehr schwer zu decken. Von 10 Bewerbern sei vielleicht 1 Bewerber wirklich bereit, die mit den Montagearbeiten verbundenen Anstrengungen auf sich zu nehmen. Immer wieder würden sich auf Probe angestellte Mitarbeiter zurück in die staatliche Unterstützung flüchten. Ausbildungsdefizite oder eine mangelnde Betreuung seitens des Unternehmens seien hierfür nicht verantwortlich, sagt Hans Korzeczek. Denn neue Mitarbeiter würden zunächst gezielt in sich stets wiederholende Aufgaben eingearbeitet.
Der Zimmereibetrieb Wessendorf mit einem weithin festen Mitarbeiterstamm engagiert sich zur Gewinnung neuer Fachkräfte derweil stark im Bereich der Erstausbildung im Handwerk. Hier sei die für die Ausbildung oft unzureichende schulische Bildung ebenso ein Problem, wie der Zugang gut ausgebildeter Schüler, welche die Ausbildung im Handwerk nur als Warteschleife oder Sprungbrett nutzen würden. Die Zusammenarbeit mit den Schulen im Zuge der Schülerpraktika gelingt unterdessen gut. Handwerksmeister Theo Wessendorf gab aber als Empfehlung an alle Schulpraktikanten weiter, möglichst immer mehrere Betriebe zu besuchen, um einen guten Eindruck über die schulischen und körperlichen Anforderungen in den verschiedenen Berufsfeldern zu erhalten. Auf den Wechsel der Betriebe im Zuge der Praktika sollten auch die Lehrkräfte an den Schulen intensiver hinwirken.
„Die ideale Lösung für die Sorgen der Betriebe vor Ort haben auch wir nicht“, gestand der UWG- Vorsitzende Detert Brummer-Bange nach der lebhaften Diskussion ein. Die viele Informationen und Anregungen wolle man aber mitnehmen für die Arbeit in den UWG- Arbeitsgruppen und für die zukünftige Arbeit im Rat der Gemeinde Ankum, falls der UWG hierfür das Vertrauen geschenkt werde. Die Anregung eines runden Tisches zur Erarbeitung bestmöglicher Perspektiven für die Ankum ansässigen und für die hinzukommenden Betriebe, will die UWG-Ankum aktiv unterstützen.
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