Wunschziel Atomausstieg: Die Probleme stehen im ländlichen Raum Schlange

FDP lud in Ankum zu einer Podiumsdiskussion ein

Ankum. (fr) Die sogenannte Energiewende, die nach dem atomaren Super-GAU im japanischen Fukushima seitens der Berliner Politik stürmisch zwischen die Windräder, Solar-Dächer und Biogasanlagen des Landes verkündet wurde, wird unsere Gesellschaft noch vor enorme Herausforderungen stellen und vor allem im ländlichen Bereich die Suche nach neuen verträglichen Lösungen für die Menschen, den Landschaftserhalt oder auch den Artenschutz erforderlich machen.

Podiumsdiskussion zur Thema "Erneuerbare Energien" im Ankumer Landhotel Schmidt. v.l. Daniel Eling (Vorsitzender des FDP-Ortsverbands), Guido Halfter (Landratskandidat), Jürgen Balsmann (Landwirtsschaftskammer) und MdB Michael GoldmannDiese Erkenntnis – und damit sind noch längst nicht alle Probleme beschrieben - ließ sich als ein Fazit einer Podiumsdiskussion am Samstagnachmittag im Ankumer Landhotel Schmidt mitnehmen, zu der die Freien Demokraten der Samtgemeinde Bersenbrück eingeladen hatten.  

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Michael Goldmann, der parteilose Landratskandidat Guido Halfter und der Biogasberater  Jürgen Balsmann (Landwirtschaftskammer Niedersachsen) standen den Zuhörern zum Thema "Erneuerbare Energien - Herausforderung und Chance für die Landwirtschaft" Rede und Antwort und es war da eigentlich sogar schade, dass derweil draußen die Sonne schien. Denn angesichts des trockenen Wetters und der derzeitigen Erntezeit, trieb es die Landwirte weitaus mehr auf die Felder als zu jener Diskussion, die vom Vorsitzenden des FDP Ortsverbandes  Samtgemeinde Bersenbrück - Daniel Eling - moderiert wurde.

Landratskandidat Guido Halfter referierte in Ankum seine Sicht auf die Energiewende im Landkreis Osnabrück. Strukturveränderungen seien erforderlich.Guido Halfter, der derzeit sehr häufig in Ankum unterwegs ist und im Wahlkampf um das Landratsamt hier vor Ort immer wieder das Gespräch mit den Bürgern sucht, sieht mit der Wende zum Atomausstieg auch strukturelle Veränderungen im Landkreis Osnabrück kommen. Dieses nicht nur hinsichtlich der Nutzung der landwirtschaftlichen Flächen, mit zunehmender Verwendung für die Energiewirtschaft, und mit Monokulturen, die vor allem bei einer industriellen Flächennutzung bedenklich zunehmen könnten. Eine intensive Nutzung der Flächen durch ein Energiegewerbe, welche nicht mehr den Grundsätzen einer nachhaltigen Bewirtschaftung folgt, wie sie in der herkömmlichen Landwirtschaft vertreten wird, ließe viele tiefgreifende Probleme erwarten. Halfter hält grundsätzlich eine Reglementierung des Marktes für erforderlich und setzt für den Landkreis Osnabrück auf Regional- oder Kreiswerke, die vergleichbar den bekannten Stadtwerken eine professionelle marktwirtschaftliche Betriebsführung der vielen kleinen Betriebsstandorte möglich machen. Auch die Bildung von Energie-Genossenschaften erachtet Halfter für einen guten Weg, dem verbundfreien Bestehen vieler kleiner Energiebetrieben rechnet er hingegen wenig Chancen auf dem Energiemarkt aus.

Der Bundestagsabgeordnete Michael Goldmann: Zu lange Planungszeiten und die FDP steht für einen Mix, der Landwirt muß die freie Wahl in der Bewirtschaftung seines Betriebes behaltenMichael Goldmann, der ausdrücklich nicht als Vorsitzender des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz im Bundestag sprechen wollte – denn in dieser Rolle sei er zur Neutralität verpflichtet -  sah als FDP-Landwirtschaftsexperte und in Kenntnis vieler bisheriger Planungsverfahren, die Umsetzung des Atomausstiegs bis zum Jahr 2021 als eine sehr schwierige Aufgabe an. Am Beispiel der Offshore -Windkraftanlagen im niedersächsischen Wattenmeer, welches zudem auch noch Naturschutzgebiet und Weltkulturerbe ist, beschrieb er die Komplexität und mehrjährige Dauer der erforderlichen Planungsverfahren. Da der Strom von der Küste aus aber auch ins Land transportiert werden muss, sind weitere langwierige Planungsverfahren zum Trassenbau durch die ländlichen Regionen mit Beteiligung der Kommunen und Bürger erforderlich. Mit der Idee verkürzter Planungsverfahren wohl liebäugelnd, notierte er gleichzeitig die Notwendigkeit des Dialogs mit allen Betroffenen.
Goldmann sieht hinsichtlich der Verteilung in der ernährungswirtschaftlichen bzw. energiewirtschaftlichen Flächennutzung auch das betriebswirtschaftliche Interesse der Landwirte als wichtigen Aspekt. Der Landwirt, der gemeinhin ein gut geschulter Experte sei, wisse zumeist sehr genau wie und mit welcher Flächennutzung er seinen Hof über die Zeit bringt. Die FDP stehe für einen Mix, der den Landwirten weithin freie Wahl lässt.

Erntezeit und trockenes Wetter: Viele Landwirte waren auf der "eigenen Scholle" aktiv, wenige fanden den Weg zur DiskussionBezüglich der konkreten Problematik angesichts überall entstehender Biogasanlagen war Jürgen Balsmann als Vertreter der Landwirtschaftskammer der kompetente Ansprechpartner. Dabei aber spielten weniger die Belastungen durch Geruchs- oder Schallemissionen eine Rolle, denn diese lassen sich laut Expertenaussage heute mittels Filtertechnik weitgehend kontrollieren. Wichtiger erschienen in der Diskussion die Verkehrsbelastungen durch an- und abfahrenden Rohstofflieferanten, die damit noch stimmende Ökobilanz sowie die Art der verwendeten Rohstoffe.  Auch die im Zusammenhang mit Biogasanlagen stehende Ausbringung von Gärresten mit enthaltenem Hühnerkot auf landwirtschaftlichen Flächen war ein Thema. Es wurde befürchtet, dass krankheitsfördernde Keime mit ausgebracht werden. Balsmann entgegnete, dass derartige Gärreste nicht auf Futterflächen sondern nur auf Ackerflächen ausgebracht werden.

Zum Abschluss der Diskussion blieb der Eindruck bestehen, dass das Ziel Atomausstieg mit dem Ersatz dieser Energiequelle durch erneuerbare Energien noch längst nicht in Reichweite ist. Insbesondere im ländlichen Raum reihen sich die damit verbundenen Aufgaben und Probleme direkt in einer mühsam abzuarbeitenden Schlange auf. Von bestehenden Verwaltungshemmnissen einmal ganz abgesehen.

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