Daniel Lau: Derzeit an der Ankumer Kirchenburg jede Woche ein bedeutender Fund
Geschrieben von: Franz Raschke Donnerstag, den 18. August 2011 um 22:06 Uhr
Innenminister Schünemann bescheinigt den Initiatoren der Ausgrabungen ein gutes Gespür
Ankum. (fr) Was im Mai bei seinem letzten Besuch in Ankum zeitlich nicht machbar war, holte der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann am Mittwoch nach. Schon ein gutes Stück Ankumer Geschichte kennengelernt, besuchte er nun mit großem Interesse die Ausgrabungen an der Kirchenburg.
Begleitet vom Landtagsabgeordneten Reinhold Coenen, Pastor Bernd Heuermann, dem CDU-Kreisvorsitzenden Christian Calderone, der Kreistagskandidatin Maren von der Heide und dem Gemeinderatskandidaten Clemens Seelmeyer ging es ohne Verzug direkt zwischen die Ausgrabungsschnitte, die teils schon wieder zugeschüttet, teils gerade erst geöffnet wurden.
Über die Entwicklung der Ausgrabungen an der Ankumer Kirchenburg informierten der Kreisarchäologe Bodo Zehm und Grabungsleiter Dr. Daniel Lau, die dieser Ausgrabungsstelle eine besondere Bedeutung zuwiesen. Einerseits wegen der Besonderheiten des Fundmaterials, vor allem aber wegen der außerordentlich großen Zahl der Funde auf einer sehr kleinen Fläche. Außerdem nimmt gerade in der letzten Phase der im Herbst endenden Ausgrabungen auch der Erfolg zu. "Derzeit", so Lau, "machen wir in jeder Woche mindestens einen bedeutenden Fund".
Die zahlreichen Funde, die seit Beginn der Ausgrabungen im Jahr 2009 aus dem Erdreich ans Tageslicht geholt wurden, machen eine Revision der bisher erzählten Geschichte Ankums und der Kirchenburg erforderlich. So sind sich die Archäologen mittlerweile sehr sicher, dass die Anlage der Kirchenburg nie als Festungs– oder Verteidigungsanlage diente, obwohl sich diese Annahme anhand der Lage und der Bauform aufdrängt. Auch ist die nördliche Umfassungsmauer deutlich jünger als bislang vermutet, datiert wahrscheinlich im 16. Jahrhundert und erfüllte damals vermutlich die Funktion einer einfachen Abgrenzung, wahrscheinlich als eine Art Friedhofsmauer.
Die Funde belegen gleichzeitig, dass nahe der heutigen St. Nikolauskirche, dem im Volksmund sogenannten „Artländer Dom“, bereits in der Zeit um 800 – 850 eine größere Siedlung bestand, in der auch ein reger Handel betrieben wurde. Es gibt auch viele Hinweise darauf, dass bereits vor gut 1000 Jahren eine soziale Oberschicht in Ankum anzutreffen war.
Um das Alter des wuchtigen Turms der St. Nikolauskirche näher zu bestimmen, denn auch dieses ist keineswegs sicher belegt, wurden in den vergangenen Wochen auch Grabungen unmittelbar an der Turmmauer durchgeführt. Und hierbei stießen die Archäologen erst Anfang dieser Woche auf eine besondere Entdeckung. Sie legten ein Sternwerk frei, welches sich bis unter den jetzt bestehenden Turm zieht, vielleicht ein Mauerwerk, vielleicht ein Fundament sein könnte und möglicherweise den Rest eines an gleicher Stelle stehenden Kirchbaus darstellt.
Minister Uwe Schünemann zeigte sich vom Erfolg der Ausgrabungen beeindruckt und bescheinigten den Initiatoren Bernd Heuermann und Reinhold Coenen ein „gutes Gespür“.
Welche Schlüsse sich letztlich aber zusammenfassend aus allen Funden, Aufzeichnungen und Analysen ziehen lassen, ist heute noch längst nicht abzusehen. Planmäßig enden die Ausgrabungen vor Ort am 30. September. Danach beginnen die aufwendigen Arbeiten in den Seminaren und „Schreibstuben“.
Gleich nachdem der Innenminister dann zu später Tagesstunde vom Landtagsabgeordneten Coenen und den anderen Begleitern verabschiedet wurde und sich auf den Weg ins emsländische Meppen machte, griff Dr. Lau schon wieder zur kleinen Kelle und sicherte noch rasch ein erst an diesem Tage gefundenes mittelalterliches Gefäß, als weiteren besonderen Fund dieser Woche.
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