Seit Jahrhunderten bekunden Ankumer Kanoniere die „Wehrhaftigkeit“ der Kirchengemeinde

Wenig ist niedergeschrieben, schwierig ist es, alle Ursprünge auszumachen

Die Kanoniere des Kanonier-Vereins Ankum, in der Bildmitte der Vorsitzende Gerd Wolters. Foto: Alt-Kanonier Thomas Oeverhaus

Ankum. (fr) Die Kanonen, drei sind es, tragen die gegossene Schrift: „Kirche zu Ankum“. Wahrscheinlich waren sie einmal wehrhaftes Rüstzeug an den Mauern der alten Kirchburg in Zeiten als es noch galt, Räubern den Angriff auf kirchliches Gut zu verwehren. Die Kanonen selbst,  legen  kaum ein weiteres Zeugnis ab.

Im Kohlefeuer glüht der Zündstab, der dann das Schwarzpulver der Kanonen zündetEines wird einem unbedarften Betrachter der Geschichte aber rasch aufgetan: Seit Jahrhunderten lebt sich das Tun der Ankumer Kanoniere fort in ungeschriebenen Regeln ohne Niederschrift des  Tuns und stets untrennbar verbunden mit den Festen der in Ankum tief verwurzelten katholische Kirchengemeinde.

Die Böllerschüsse bekunden im Verlauf des christlichen Jahres besondere Feierlichkeiten wie Firmung oder Erstkommunion und werden dann begleitet vom Ankumer „Beiern“, dem eigenartigen Schlagen der Glocken im „Artländer Dom“, in der St. Nikolaus-Kirche zu Ankum.

Ein besondere Bedeutsamkeit erfährt das Tönen der Kanonen in den Tagen um „Fronleichnam“, als Verkündung und Begleitung der Prozession. Den Kranken und allen Gläubigen, die nicht an der Prozession teilnehmen können, wird mit den Böllerschüssen bekundet, dass nun der Eucharistische Segen gegeben wird. Das Zünden der Kanonen, die natürlich keine Kugel tragen. Auch sind die Böllerschüsse eine Ehrenbezeugung für das Heilige Sakrament.

Aus dem ehemals wehrhaften Wirken der Kanoniere leiten sich bis heute viele weitere Regularien des Ankumer Kanoniervereins  ab. So zählt zu den Aufgaben der Kanoniere auch der Schutz jener Kinder während der Fronleichnam-Prozession, die in den Wochen zuvor ihre Erstkommunion feierten.

Nur in Ankum geborene katholische Junggesellen, die keine Familie zu schützen haben, können Mitglied im Kanonierverein Ankum werden. Beantragen kann man die Mitgliedschaft nicht, nur auf Vorschlag – meist des zuletzt eingetretenen Kanoniers – wird per Abstmmung über die Aufnahme eines Fähnrichs entschieden. Fähnrich bleibt ein Neuglied, bis es erstmals mit den Kanonen schießen darf. Das Zünden der Kanonen auf dem Platz hinter dem "Artländer Dom", der St. Nikolaus Kirche zu Ankum

Geht ein Kanonier den Bund der Ehe ein, darf er nach der Eheschließung ein letztes Mal das Schwarzpulver der Kanonen zünden, dann scheidet er aus dem Verein aus. Bis zum Lebensende behält er jedoch  den Status „Alt-Kanonier“ und viele Alt-Kanoniere halten oftmals ein Leben lang Verbindung zu dem Verein, auch wenn sie schon lange Zeit nicht mehr aktive Kanoniere sind.

"Kirche zu Ankum" so lautet die stählende Aufschrift der drei Kanonen des Kanoniervereins AnkumAnders als in einigen umliegenden Gemeinden, in denen das Brauchtum der Kanoniere und des Böllerns erst in den vergangenen Jahrzehnten wieder neu belebt wurde, schaut der Kanonier-Verein Ankum auf eine fast ununterbrochen gelebte Pflege der seit Jahrhunderten bestehenden kirchlichen Tradition zurück. Dabei wurden die Regularien der Kanoniere von Generation zu Generation mündlich weitergegeben und in gleicher Weise schreibt sich die Geschichte des Kanonier-Vereins, der stets etwa 20 Mann stark ist, in die Zukunft der Kirchengemeinde St. Nikolaus Ankum fort.

Die Kononen des Kanonier-Vereins AnkumDie Kononen des Kanonier-Vereins AnkumDie Kononen des Kanonier-Vereins Ankum

 

 

 

 

 


Kommentare 

 
#1 Die heute noch vorhandenen Kanonen dienten nie dem Zweck der VerteidigungAdministrator 2011-07-03 23:10
Eine Korrektur!
Wir danken dem Altkanonier Thomas Oeverhaus für folgenden Hinweis:
"Der Bericht ist historisch einwandfrei, bis auf eine Ausnahme: Die vorhandenen drei Kanonen wurden schon damals (um 1810) einzig und allein für „Böllerzwecke“ gekauft, und nicht als „Kriegswaffen“ o.ä. verwendet. Es gibt nur ein paar wenige Quellen, der Kanonierverein firmierte damals unter der Bezeichnung „Schütten“ (wohl für Schützen), die bei den zahlreichen kirchlichen Prozessionen eine Art „Leibgarde“ für die Teilnehmer darstellten."
 
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