Goldener Rahmen im Kindergarten
Donnerstag, den 17. März 2011 um 21:22 Uhr
Ankum. (opm) Ein großer goldener Rahmen hängt in jedem Gruppenraum des kommunalen Kindergartens Am Kattenboll in Ankum.
Gerade ist Nick dabei, sein Buch in dem Rahmen zu befestigen. Eigentlich ist der Rahmen riesig und Nick im Verhältnis dazu eher klein, aber er fühlt sich gerade so groß, dass er den goldenen Rahmen mit seiner gefühlten Größe problemlos ausfüllen könnte.
Kein Wunder, denn Nick hat zuvor im Stuhlkreis den Kindern seiner Gruppe vorgestellt, was er alles gut kann. Das steht in dem Buch, dass er zusammen mit den Erzieherinnen vorab gestaltet und gebastelt hat. Da drin steht, dass Nick besonders gut andere Kinder trösten kann, dass er gut auf Kleinere aufpassen und prima Streit schlichten kann. Das alles gehört zu seinen Stärken, und die werden im goldenen Rahmen vorgestellt.
„Es ist wichtig, dass sich die Kinder ihrer eigenen Stärken bewusst sind, das schafft Selbstbewusstsein und gibt Mut“, erklärt Nadine Heile, Heilpädagogin und Gruppenleiterin im Kindergarten. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Anja Brinkmann-Welp, Diplompädagogin mit heilpädagogischer Zusatzausbildung, hat sie vor anderthalb Jahren mit dem Goldenen-Rahmen-Projekt im Kindergarten begonnen. Mittlerweile ist das ein Selbstläufer geworden und bei Kindern, Erzieherinnen und Eltern sehr begehrt.
Alle Kinder kommen so mal an die Reihe und zeigen den anderen, was sie besonders gut können, wo ihre Stärken liegen. Etwa Musik machen, turnen oder reiten. Oder besonders gut malen und basteln wie Maja, hervorragend Gummitwist springen wie Lena oder ganz toll mit Zahlen umgehen können wie Aidan.
„Wir bereiten das mit den Kindern genau vor und entwickeln dabei viel Kreativität“, berichtet Anja Brinkmann-Welp aus ihren Erfahrungen. Da werden Videos gedreht, Kassetten besungen und Bücher gestaltet. Es gibt Ausflüge zu Turnanlagen, Experimente werden vorbereitet und Kunstausstellungen zusammen gestellt. Die Präsentation ist für alle Kinder spannend, zumal jedes auch noch sagen darf, was das Goldener-Rahmen-Kind besonders gut kann. Wie toll, wenn andere einen gut finden und das auch noch sagen. Klar, manches ist vielleicht auch gar nicht so besonders, aber das schätzen die Kinder selber schon sehr gut ein. „Er kann toll mit Lego bauen und super rutschen“, sagen zwei Kinder aus der Gruppe über Nick. Klar kann er gut mit Lego bauen, aber rutschen kann doch schließlich jeder, findet der. Das sagt er auch. Klein Problem für die Anderen, denn sie haben gelernt, gut zuzuhören und genau zu beobachten.
„Es ist erstaunlich, was Kinder so alles bei den anderen bemerken und worauf sie achten, sagt Nadine Heile. Auch die Eltern werden mit einbezogen. Manche Stärken ihrer Kinder können sie aus der Erfahrung in der Familie bestätigen, teilweise entdecken sie einige Stärken ihrer Kinder auch erst im Kindergartenalltag. “Natürlich hat jedes Kind auch Schwächen, aber an denen kann es leichter arbeiten, wenn es weiß, dass es eben auch starke Seiten hat“, erläutert Anja Brinkmann-Welp weiter. So fördert der goldene Rahmen eine positive Selbsteinschätzung bei den Kindern, die ihnen auch in späteren Schul- und Lernzeiten hilft, mit Eigenmotivation Hürden zu überwinden. Zudem lernen die Kinder, sich frei in der Gruppe zu äußern und ihre besonderen Fertigkeiten zu schildern. So wie Nick, der mit seinem Buch einmal von Kind zu Kind geht, um die gemalten Motive zu zeigen. Ausmalen kann er nämlich auch prima, wie alle sehen können.
Quelle: Ankum Aktuell am 17.03.11 (http://www.bersenbrueck.de)
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