Auch Ankum war mal „Karnevalshochburg“
Geschrieben von: Thomas Oeverhaus Mittwoch, den 09. März 2011 um 23:01 Uhr
Interessantes aus der Historie der Fastnacht
Ankum. (to) Wenn in den vergangenen Tagen das Wort „Karneval“ fiel, dachte man auch in unseren Regionen an Büttenreden, Kostüme und Rosenmontagsumzüge. Die vermeintlichen Hochburgen des Karnevals liegen in Köln, Düsseldorf oder Mainz. Dass der Karneval auch in unseren Breitengraden – mal mehr, mal weniger – historisch verwurzelt ist, zeigt ein Blick in die Vergangenheit.
Der Karneval hat in Deutschland eine Jahrhunderte alte Tradition und die hängt – wie so oft – ursprünglich auch mit der katholischen Kirche zusammen. Um das Jahr 600 rief Papst Gregor erstmals eine 40-tägige Fastenzeit vor Ostern aus. Die Christen sollten in diesen Tagen wenig essen und dafür mehr beten. Der Verzehr von Fleisch war verboten.
Dies erklärt das Wort Karneval für "carne" (lateinisch für Fleisch) und "vale" (lebe wohl). Vor dem Beginn der langen Fastenzeit wurde noch einmal ausgelassen gefeiert.
Durch den Einfluss der katholischen Kirche im Mittelalter verbreitete sich das Karnevalsfest von Rom aus, vor allem auch in die katholisch geprägten Regionen Deutschlands. Im mittelalterlichen Europa feierte man - zwar in Kirchen, jedoch nicht kirchlich - "Narrenfeste" vom 12. Jahrhundert bis zum Ende des 16. Jahrhunderts. Dabei übernahmen die unteren Kleriker vorübergehend Rang und Privilegien der höheren Geistlichkeit. Kirchliche Rituale wurden parodiert; in Gestalt von Prozessionen (wohl Vorläufer der heutigen Umzüge) wurden auch die Bewohner der Städte am Fest beteiligt. An diesem einen Tag durften diese auch Witze erzählen und Kritik äußern, wofür sie sonst harte Strafen bekommen hätten. Aus dieser Tradition haben sich die Büttenreden entwickelt. Später nutzte das Volk den Karneval, um sich beispielsweise Anfang des 19. Jahrhunderts ungestraft über die französischen Besatzungstruppen Napoleons lustig zu machen. Aus dieser Tradition stammen die vielen militärischen Garden, die sich beim Rosenmontagszug präsentieren.
In früheren Jahrhunderten spielte im stark katholisch dominierten Ankum der Karneval im Jahresverlauf für die einfachen Bürger eine wichtige Rolle, obwohl für dieses Fest nicht das Wort „Karneval“ sondern der Ausdruck „Fastnacht“ oder „Fastabend“ verwendet wurde. Wie auch in anderen Regionen Deutschlands – teilweise noch heute – wurde in Ankum am Aschermittoch der Karneval symbolisch zu Grabe getragen.
In dem Buch „Geschichten aus Ankum“ des Ankumer Heimatschriftstellers Dr. Alfred Eymann wird beschrieben, dass Jahr für Jahr nach der närrischen Fastnacht in Ankum sich etliche Einwohner auf dem Weg machten, um an einem „Trauerzug“ unter großen Wehklagen und Jammern am Aschermittwoch dem Begräbnis der Ankumer Fastnacht beizuwohnen.
Eymann führt in seinem Buch dazu aus: „Fastnachtsjecken trugen auf einer Leiter nach Art eines Leichenzuges in einer Tonne den verkleideten Totengräber Gerhard Oeverhaus unter Gesang zum Dorfe hinaus. Beim Dorfteiche neben dem Zollhause im Oberdorfe wurde Halt gemacht. Oeverhaus sprang rasch fort, statt seiner setzte man eine Strohpuppe in die Tonne und versenkte sie unter lustigen Reden und Gesängen in dem Teiche. Damit war die Fastnacht zu Grabe getragen und die ernste Fastenzeit nahm ihren Anfang“.
Gerhard Oeverhaus (1822 – 1904), war nicht nur gleichzeitig als Totengräber, Barbier und Gastwirt tätig, sondern auch ein ausgesprochener Fastnachts-Freund, der die alte Tradition dieses Festes verinnerlicht hatte.
Die katholische Kirchenführung des Bistums Osnabrück wollte aber Ende des 19 Jahrhunderts dem närrischen Treiben Einhalt gebieten und ordnete an den Fastnachtstagen das so genannte „40-stündige Gebet“ an, was im katholisch dominierten Ankum letztlich das „Aus“ für die Ankumer Fastnacht bedeutete – sehr zum Verdruss vieler Ankumer Fastnachtsfreunde und nicht zuletzt von Gerhard Oeverhaus, der nach alten Berichten viele Jahre großen Spaß an dem „Fastnachts-Begräbnis“ am Aschermittwoch hatte.
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