Dem Ankumer Handwerkerball ist auch 126-jährig jeder Ruhestand fremd
Geschrieben von: Franz Raschke Sonntag, den 16. Januar 2011 um 07:11 Uhr
Richtig gut gemacht: Mit „jofire“ aus der Grafschaft im Fest-Rhythmus der heutigen Zeit
Ankum. (fr) Wer gedacht hatte, dass es nach dem beachtlichen Jubiläum im vergangenen Jahr diesjährig auf dem Ankumer Handwerkerball geruhsamer zu gehen könnte, kam mit dieser Einstimmung allenfalls die ersten Stunden gut zurecht, hatte gedanklich aber vor allem die aus der „Grafschaft“ kommende Tanzband „jofire“ nicht wirklich auf der Liste.
„jofire“, dass sind Bernd, Fiddy und Kalle aus der Grafschaft Bentheim, genauer aus Gildehaus bei Bad Bentheim, ein bemerkenswertes Trio, eigentlich mehr noch so eine Art musikalische Vitaminspritze....., aber beginnen wir mit unserem Bericht in der zeitlichen Abfolge besser vorn, also exakt um 19:00 Uhr Ankumer Ortszeit.
Wie es die Tradition des nunmehr 126-jährigen Handwerkerballs verlangt, kehrten zu dieser Stunde die Ankumer „Fuerseuker“, in diesem Jahr namentlich Kolping-Senior Martin Brinkmann, Lademeister Franz Wellmann und Altmeister Gerd Thyen, in das Ankumer Gasthaus Düker ein und beäugten mit viel Wohlwollen den bereiteten Saal. Tatsächlich stand hier alles zum Besten, auch die Musikanten waren schon eingekehrt, wenn auch noch nicht „durch Maske und Garderobe“.
„Wer kommt um sieben...“ heißt es zwar anfangs im uralten Einladungstext zum Ball der Handwerker in Ankum, doch am gestrigen Abend schaute keiner der „Fuerseuker“ so genau auf die Uhr. Heißt es im gleichen Text doch auch: „wer kommt um acht....“, und um 7 Uhr nahmen noch viele Damen und Herren im Gasthaus Düker ihre abendliche Speise ein. Außerdem trug der SV Quitt Ankum zur gleichen Stunde noch sein vereinsinternes Turnier aus, mit dabei einige junge Handwerker mit Erfolgsaussichten.
„So also ist hier alles im rechten Lot“, tat uns ein Fuerseuker kund, obwohl derzeit kaum Gäste zugegen waren. Damit kehrten wir um 22:00 Uhr nochmals zurück.
Wie von alters her üblich saßen da die Meister und Gesellen mit ihren Damen bereits an den Tischen. Beisammen gekommen in der Jahreszeit, in der es für viele Zünfte schon immer wenig Arbeit und so die Zeit zum Feiern gab. Gleichsam wie im Winter 1884/1885, als die Ankumer Krankenlade, eine Gesellen-Pflege-Kasse, mit nicht mehr buchbaren Überschuss im Kassenbestand aufgelöst wurde. Zu keiner Zeit besser als im Winter, ließ sich schon damals mit Bedacht ein Ball der Handwerker zum Verbrauch des angesammelten Vermögens veranstalten. Denn im Frühling richten Meister und Gesellen ihr Sinnen bereits wieder auf neue Gewerke.
Ein schwungvolles Tanzvergnügen war zu dieser leicht fortgeschrittenen Stunde, 22 Uhr, aber noch nicht zu sehen, auch wenn es schon den Ehrentanz des Kolping-Seniors Martin Brinkmann nebst Gattin gab, es laut Auskunft bereits an den Tischen „bebte“, langst manch anderes Tanzbein geschwungen und uns jetzt von vielen Seiten der brandheiße Tipp: „Tanzband!“ zugetragen wurde.
Was es mit dieser Tipp auf sich hatte, war dann spätestens ab 23:00 Uhr zu erleben. Schwungvoll und spritzig sorgte das Trio „jofire“ nun für eine Balllaune, deren Vergnügen sich überall auf der Tanzfläche und selbst abseits dieser ablesen ließ. Es ging ab sofort so richtig rund im Gasthaus Düker; beim traditionellen Ankumer Handwerkerball. Wie auf den Punkt geplant und von der Musikanten-Truppe aus der Grafschaft perfekt umgesetzt. Eine schönere Ballstimmung ließ sich kaum noch denken.
Bleibt im Fazit: Ankums Handwerkerball, von der Ankumer Kolpingsfamilie seit vielen Jahren bewahrt, stellt sich nach dem Jubiläum im vergangenen Jahr dem Rhythmus der heutigen Zeit, mit einem traditionellen festlichen Beisammensein der Handwerker am Abend und der ausgelassenen Party mit allen Gästen in der fortgeschrittenen Nacht. Dabei der althergebrachten Tradition treu bleibend und richtig gut gemacht.
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