Armut und reelle Chancen trieben viele Ankumer um 1830 nach Amerika

Kolping-Schützenfest in Cincinnati bezeugt bis heute eine tiefe Heimatverbundenheit

Fesselnd, vortragend wie fragend, erzählte Hermann Welp von den Motiven der Auswanderung bis zum Wirken der Auswanderer in AmerikaAnkum. (fr) Mit einem fesselnden Vortrag, von unzähligen Bildern gestützt, berichtete am vergangenen Samstagnachmittag der Amerikareisende Hermann Welp im Ankumer Heimathaus über die Hintergründe der Auswanderungswelle vor,  um und nach 1830, sowie über die verbliebenen reichhaltigen Spuren der Auswanderer im heutigen Amerika.

Es war die aussichtslose Armut der einfachen Leute und allenfalls selten eine hervorstechende Abenteuerlust, die damals für viele Menschen den Anlass bot, Hab und Gut zu verkaufen, das Geld für die mehrmonatige Segelschiff-Passage zusammen zu knappen, letzte Habseligkeiten in einem Koffer zu verstauen und sich ab Bremen nach Amerika einzuschiffen. Mit reellen Chancen, der stetig zunehmenden Armut in deutschen Landen zu entfliehen.

Denn nur 12 Taler etwa, so rechnete Hermann Welp aus Nortrup vor, verdiente ein Knecht auf einem deutschen Hof (um 1830)  jährlich, gleiche 12 Taler ließen sich im damals aufstrebenden Amerika leicht innerhalb von 1 bis 2 Tagen verdienen, ca. 45 Taler wurden für die Schiffspassage fällig.

Der Vortrag stieß auf ein reges Interesse - Ankums Heimathaus war an diesem Nachmittag quasi ausgebuchtIn eigens hierfür eingerichteten und im Land verteilten Büros konnten auswanderungswillige Bürger damals die Fahrkarte ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten erwerben. Für die aus Ankum, Badbergen, Quakenbrück, Merzen, Freren, Lorup oder da angrenzenden Orten stammenden Auswanderer – die Auswanderungsrate erfasste daeinst bis zu 30 % der Landbevölkerung - endete die Schifffahrt dann zumeist in Baltimore, bevor es mühselig zu Fuß oder zu Pferd weiterging. Mit wenig Hab und Gut, nicht selten auch Geschäftemachern ausgeliefert, und stetig auf das eigene Glück hoffend.

Im Raum Cincinnati (Bundestaat Ohio) wurden danach viele aus der hiesigen Region stammende  Menschen heimisch, brachten sich ins Amerika der damaligen Jahrhundertwende ein, wurden dank ihrer Handwerks- und Ingenieurskunst  geachtet und lebten ihre Traditionen fort.  Im Jahr 1866  veranstalteten die zugewanderten Kolpinger in Cincinnati bereits ihr ersten Schützenfest, welches bis in die heutigen Tage fortgelebt wird.

In der Runde der Zuhörer gab es manche, die Verwandte auf den gezeigten Bildern erkannten und den Vortrag wertvoll ergänzten.Zuletzt im Jahr 2009 nach Amerika gereist, brachte Hermann Welp auch viele Fotos ans Tageslicht, auf denen die im voll besetzten Ankumer Heimathaus anwesenden Zuhörer nicht selten Verwandte entdeckten und den Vortrag damit um überaus interessante Anmerkungen ergänzten.

Dass bis heute eine tiefe Heimatverbundenheit der Amerika-Auswanderer besteht, zeigt sich unter anderem daran, dass noch viele Deutschstämmige in Amerika, in Cinninati oder St. Louis, Plattdeutsch sprechen und  noch althergebrachte Lieder pflegen, die in unseren Landen fast schon vergessen sind. In Planung ist diesbezüglich bereits ein Besuch des Kolpingchors aus Cincinnati in Ankum, voraussichtlich im August 2011.

Jürgen Hausfeld vom Arbeitskreis Familienforschung Osnabrück (http://www.osfa.de), gemeinsam mit dem Ankumer Heimatverein die Vortragsreihe gestaltend, machte nach dem bermerkenswerten Bericht des Hermann Welp auch gleich auf den nächsten Termin im Ankumer Heimathaus aufmerksam. Am 28. Januar 2011 berichtet Lothar Gräfe aus Osnabrück über „Peek und Cloppenburg – zwei Südoldenburger Kaufleute als Gründer einer großen Warenhauskette“.

Weiterlesen:
> Die Homepage der Kolpinger in Cincinnati (englisch)
> Berichte über die Arbeit des Ankumer Heimatvereins
> Die Internetseiten des Ankumer Heimatvereins
> Die Homepage: Arbeitskreis Familienforschung Osnabrück e.V.

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