Ein gutes Stück Ankumer Geschichte: 175 Jahre Schankwirtschaft Billenkamp

Spitzname „Büter“ besteht seit fast 300 Jahren - Jubiläumsfeiern am 11. Dezember

Agnes geb. (19.08.1885, gest. 03.12.1963) und Bernhard Billenkamp (geb. 15.03.1876, gest. 06.01.1953)Ankum. (fr) Im gleichen Jahr, als im Juli der Schotte James Browman Lindsay in Dundee erstmals öffentliches Licht mittels einer Glühlampe vorführte und im Dezember die Bayerische Ludwigsbahn mit der Lokomotive „Adler“  den ersten Eisenbahnverkehr Deutschlands zwischen Nürnberg und Fürth aufnahm, erhielt Bernhard Billenkamp zu Ankum die Erlaubnis zur Eröffnung einer Schankwirtschaft.

Das Original der am 11. Dezember des Jahres 1835 von der Königlich Großbritanisch-Hannoverschen Landrostei erteilten Erlaubnis ist im historischen Archiv des Landkreises Osnabrück noch erhalten und weist auch Beschränkungen auf. So heißt es im amtlichen Text:

Bernhard Billenkamp in den 40er Jahren auf dem Weg, den Bischof von Osnabrück abzuholen....erteilen wir hiermit dem Bernhard Billenkamp zu Ankum ... die nachgesuchte Erlaubnis einer Schankwirtschaft ... unter der Bedingung, dass derselbe weder Tänzereien noch eigentliche Trinkgelage in seinem Hause gestatte ... zu erlassenen polizeilichen Vorschriften pünktlich Folge leiste, worauf das königliche Amt zu achten und achten zu lassen hat.“

„Tänzereien“ und desmanchen auch „eigentliche Trinkgelage“ gab es aber es wohl dennoch häufiger in der nun 175-jährigen Geschichte der Gaststätte Billenkamp, die sich vor allem auf der Grundlage einer 350-jährigen Familiegeschichte erklärt.

Altes Fachwerkhaus Billenkamp, erbaut ca. 1791, abgebrannt 1950So weisen die alten Ankumer Kirchenbücher für die Zeit um 1650 (kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg) und mit den Zuzug eines Friedrich mit seiner Frau Wibke von Iburg erstmals den Namen Billenkamp urkundlich aus. Der Enkel dieses Friedrich Billenkamp, der Johan, war es dann, der gleich in zweierlei Hinsicht geschichtliche Grundlagen legte.

In einer ausgedienten Nissenhütte der Alliierten ging der Schankbetrieb bis zur Fertigstellung des Neubaus im Jahr 1951 weiter.Einerseits, indem er in Ankum eine Bäckerei gründete, die erst viel später die Eröffnung einer Gaststätte begünstigten sollte . Andererseits, durch die Heirat der Luke Büter in der Zeit um 1720, die zwar den Nachnamen ihres Gatten annahm, doch „namentlich“ wohl Herrin im Hause blieb. Jedenfalls wurde bald darauf auch Johan Billenkamp „Büter“ genannt und dieser Spitzname bleibt bis heute – über fast 300 Jahre hinweg – an der Familie Billenkamp haften. Sagt man in Ankum „Büter“, meint man Billenkamp.

Ein weiterer Sprung über die Generationen innerhalb der Familie führte dann im Jahr 1835 zur Eröffnung der Gaststätte. Wieder war es ein Enkel, diesmal jener des Johan (Büter) Billenkamp, der im Alter von 37 Jahren zusätzlich zur bestehenden Bäckerei eine Schankwirtschaft eröffnete. Neubau der Gaststätte im Jahr 1951 nach einem verheerenden Brand des altem FachwerkhausesGemeinsam mit seiner Frau Gertrud (geb. Lohmann aus Ankum) führte Bernhard (Bernd) Billenkamp sowohl die Bäckerei wie auch die Gaststätte fort.

In der Zeit danach hinterließen die Weltkriege ihre Spuren in der Familiengeschichte. So kehrte um 1918 ein Sohn des Bernd Billenkamp, Bernhard mit seiner Frau Agnes (geb. Hengehold),  nach dem Tod seines zum Erben ausersehenen Bruders Anton in den elterlichen Betrieb zurück. Bernhard und Agnes zogen in Ankum, mit vier Kindern aus Bersenbrück heimgekehrt, noch weitere 6 Kinder groß. Er galt als gerechter, aber strenger Mann, sie als herzensgute Frau. Mit Worten wie: „Nu Jöppken, ik glöwe du häst naug hat. Goah man no Hus hän. Ju Mamme toff all up di mit dat Eten.“, soll Agnes verheiratete Männer vor allzu argem Schnapsgenuss zu bewahren versucht haben.Hans Billenkamp - Gastwirt mit Leib und Seele - Viel zu früh im Alter von nur 50 Jahren verstorben

Im Juni 1950, als die Familie Billenkamp auf dem Druchhorner Schützenfest verweilte, vernichte ein verheerender Brand das alte Fachwerkhaus und nur das alte Thekenbuffet und  einige „Worbsweder Stühle“ konnten noch dem Feuer entrissen und bis heute als Inventar der Gaststätte bewahrt werden. Da mit dem vernichtendem Feuer auch die wirtschaftliche Existenz der Familie bedroht war, wurde ein Neubau eiligst vorangetrieben. Bis zur Fertigstellung des Neubaus im Jahr 1951, ging der Gaststättenbetrieb in einer alten  und von den Alliierten ausrangierten Nissenhütte provisorisch, doch auch erfolgreich weiter.

1968: "Hey - wo willst Du hin, Rudolf? - Du mußt die Wirtschaft übernehmen!"Im Ausblick auf die Zukunft, aber auch wegen der enormen Belastung zwischen dem Brotbacken in der Früh und dem Gaststättenbetrieb am Abend, wurden ab 1951 Bäckerei und Gaststätte getrennt und von den Söhnen des Ehepaars Bernhard und Agnes fortgeführt. Hermann übernahm die Bäckerei, sein Bruder Hans mit seiner Frau Carla, geborene Wissmann aus Bokel – den Kneipenbetrieb.

Im Jahr 1963 richtete Hans Billenkamp – bekannt für ein sorgsam gezapftes „7-Minuten-Bier“ und seinen Grundsatz „Keinen Alkohol hinter der Theke!“, die ersten Hotelzimmer und einen vergrößerten Schankraum ein. Viel zu früh verstarb der Gastwirt aus Leidenschaft – 50 Jahre jung – dann bereits im Jahr 1975. Fortan führte die Witwe Clara, mit den Kindern  Dorothe, Rudolf, Ruth und Johannes zurückbleibend, den Kneipen- und Hotelbetrieb fort und wurde weit bekannt für ihre famosen Kochkünste.

Schon hinter der Theke geübt: Rudolf - Rudi - Billenkamp etwa im Jahr 1970Im Jahr 1995 entschloss sich Rudolf – Rudi – Billenkamp, den Familienbetrieb  zu übernehmen und schon zwei Jahre später wurde der Hotelbereich baulich erweitert und modernisiert. 

Heute leben Rudi und Christel Billenkamp, mit ihren Kindern Charlotte und Merle und  Felix, die reiche Familientradition einer 175-jährigen Gastlichkeit weiter und schauen mit Stolz zurück, wie auch in die Zukunft. Sie haben sich vorgenommen, dass sich ihre Gäste auch in den kommenden Jahrzehnten – wie in den zurückliegenden 175 Jahren - wohlfühlen können.

Die Feierlichkeiten zum 175-jährigen Jubiläum – am 11. Dezember 2010 -  beginnen gebührend um 11:00 Uhr mit einem ersten offiziellen Empfang,  spitzen sich gegen 18:00 Uhr mit einem weiteren Empfang zu und münden ab 20:00 Uhr in einem großen gemeinsamen Fest mit „Jedermann und Jederfrau“, Imbiss, Live-Musik und allerlei Sonderkonditionen. Wir berichten fort.

Bildquellenhinweis: Fotos mit freundlicher Erlaubnis der Familie Rudolf Billenkamp- Ankum

Hinweis:

Im jüngst erschienenen 14. Heimatheft für Dorf und Kirchspiel Ankum (Ausgabe 2011)  des Heimat- und Verkehrsvereins Ankum, lässt sich eine von Thomas Oeverhaus verfasste, ausführliche und sehr lesenswerte Beschreibung der Geschichte der Gaststätte Billenkamp entdecken, der auch die Angaben unseres Artikels entliehen sind. Das Heft ist für 12 Euro an Verkaufsstellen innerorts oder beim Ankumer Heimatverein erhältlich.

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Weiterlesen:
> Die Internetseiten: Hotel und Gaststätte Billenkamp in Ankum

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