Bundesminister Rösler besuchte Niels-Stensen-Kliniken Marienhospital Ankum-Bersenbrück
Geschrieben von: Franz Raschke Freitag, den 19. November 2010 um 02:10 Uhr
Neuregelungen im ersten Halbjahr 2011 ? – Niedergelassene Ärzte nehmen den Minister beim Wort
Ankum. (fr) Als die Liberalen der Samtgemeinde Bersenbrück mit Unterstützung des FDP- Kreisverbandes Osnabrücker Land den Bundesminister für Gesundheit Dr. Philipp Rösler zu einem Besuch in Ankum einluden, wollten sie direkt vor Ort eine Gelegenheit zum unmittelbaren Austausch der Kritik an den Missständen im Gesundheitswesen bieten. Am gestrigen Nachmittag kam Dr. Rösler, referierte und stellte sich der Diskussion.
Vorab jedoch lernte der Bundesminister während eines vom Pflegedirektor Hubert Riese gestalteten Rundgangs, so vergleichbar dem Weg eines Patienten durch das Krankenhaus, das Marienhospital Ankum-Bersenbrück kennen.
Ein Hospital, welches auf dem Weg in die Zukunft im Januar 2010 die 149-jährige Geschichte in der Trägerschaft der katholischen Kirchengemeinde St. Nikolaus Ankum aufgab und sich dem Verbund der Niels-Stensen-Klinken anschloss. Seither die „nördliche Spitze“ dieses Verbundes bildend, geht das Marienhospital in Ankum konsequent den Weg einer zunehmenden Spezialisierung, die zusätzlich zur schon lange Zeit fest etablierten Geburtshilfe, Chirurgie und Handchirurgie, nun auch auf die Wirbelsäulenchirurgie abzielt. Denn, so der Geschäftsführer der Niels-Stensen-Kliniken Werner Lullmann, „mit der Grundversorgung allein könnte das Marienhospital Ankum-Bersenbrück nicht bestehen.“
Auf dem Weg bis in den Neubaubereich, der aus Mitteln des Konjunkturpakets II und einer Eigenfinanzierung des Krankenhauses realisiert wird, nahm sich der Bundesminister für Gesundheit viel Zeit, um schon jetzt mit den begleitenden Ärzten, der Krankenhausleitung, den Pflegekräften oder selbst mit Patienten ins Gespräch zu kommen. Doch wie bei einem Rundgang üblich, gab es da noch wenig Konkretes vom Minister zu vernehmen.
Dieses änderte sich, als sich alle Teilnehmer des Treffens, darunter auch der CDU-Landtagsabgeordnete Reinhold Coenen (Mitglied im Aufsichtsrat der der Niels-Stensen-Kliniken GmbH) , in der Cafeteria des Krankenhauses zum Austausch beieinander setzten. Werner Lullmann beschrieb als vordringliche Probleme des Krankenhauses einerseits die unverändert schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, andererseits die zunehmende Schwierigkeit, qualifizierte Fachärzte und Pflegekräfte für die Arbeit im Krankenhaus zu finden.
Rösler dachte diesbezüglich darüber nach, insbesondere auch für weibliche Fachärzte geeignete Arbeitsbedingungen zu suchen, beispielsweise durch alltagstaugliche Teilzeitverträge, und auch das praktische Jahr angehender Ärzte – ganz oder teilweise - nicht mehr nur in Lehrkrankenhäusern zu ermöglichen. Hinsichtlich der Heranführung junger Menschen an den Pflegeberuf, betrachtete der Bundesminister den angedachten Wegfall des Zivildienstes im Zuge der Bundeswehrreform als problematisch.
Vom Alltag im Krankenhaus weg und hin zu den Problemen niedergelassenen Ärzte im ländlichen Raum, beschrieben die betroffenen Mediziner ihren Unmut über den ständig steigenden Aufwand für die administrative Medizin (Statistik - Dokumentations- und Verwaltungsaufwand) zu Lasten der direkten Behandlung des Patienten. Weiterhin bringen unverändert strikte Budgetierungen oder Richtgrößen die niedergelassenen Ärzte in Bedrängnis. „Ich muss erst einmal viel arbeiten, um operieren und mir die Operationen für die Patienten leisten zu können“, brachte der Ankumer Chirurg Thomas Reich das Problem auf den Punkt.
Er beklagte zudem teils unsinnige Anfragen innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung und wünschte sich hier eine größere Kompetenz der Sachbearbeiter. Darin, dass desmanchen auch die Kassenärztlichen Vereinigungen sinnvolle Veränderungen im Gesundheitswesen verhindern, schien Dr. Reich mit dem Minister einig.
Um die Attraktivität der Arbeit niedergelassenen Ärzte zu steigern, beabsichtigt Bundesminister Rösler die bürokratischen Aufwendungen mit den unzähligen und teils fragwürdig scheinenden Formularen auf den Prüfstand zu stellen. Ebenso, wie die Verschlüsselung mit dem neu erstellten ICD-Code (Internationale Klassifikation der Krankheiten), deren Sinn ihm selbst noch nicht ersichtlich sei. Weiterhin sei an den Regularien der Bedarfsplanung bezüglich der fachärztlichen Versorgung zu arbeiten. Es sei bislang ein wirkliches Problem, dass beispielsweise im Osnabrücker Land im Nordkreis ein Mangel, im Südkreis eine Überversorgung im fachärztlichen Bereich bestehe. Hinsichtlich der oft beklagten Regressforderungen gegen niedergelassene Ärzte beabsichtigt Rösler die Erweiterung vertraglicher Versorgungen, die nicht in die Richtgrößenordnung eingehen.
Insgesamt Anmeldungen des Ministers, die im kommenden ersten Halbjahr 2011 angegangen werden sollen und von den anwesenden niedergelassenen Ärzte mehrheitlich begrüßt wurden. Entsprechend wünschte Dr. Thomas Reich dem Minister abschließend und mittels Handschlag viel Erfolg auf dem mitgeteilten Weg. Er wird im kommenden Jahr beim Wort genommen.
Ankums Ratsherr und Mitinitiator des Ministerbesuches Christian Pohlmann-Geers (FDP) formulierte zum Abschluss des Treffens im Marienhospital den Eindruck, dass „das Gesundheitssystem mittlerweile komplizierter geworden ist als das Steuersystem“. Reformen, die ein ausgewogenes Netz der hausärztlichen und fachärztlichen Versorgung im ländlichen Raum sichern, ohne die Standorte vorhandener Krankenhäuser zu gefährden, seien dringend erforderlich.
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