Interessantes aus Ankums Markthistorie
Geschrieben von: Thomas Oeverhaus Samstag, den 06. November 2010 um 01:39 Uhr
Vor über 230 Jahren wurde der Fettmarkt genehmigt
Ankum. (to) Wenn am kommenden Sonntag wieder der „Fettmarkt“ in Ankum stattfindet, erinnert man sich in dem alten Handelsort an eine alte Veranstaltung aus längst vergangenen Zeiten. Im Jahr 2001 gab die Werbegemeinschaft „Freundliches Ankum“ den Anstoß zur Reaktivierung des alten Marktes, zumal das Marktwesen in Ankum eine lange, lange Tradition hat.
So wird in alten Unterlagen darüber berichtet, dass schon im Jahr 1361 an jedem Montag vor Christi Himmelfahrt der so genannte „Walsumer Markt“ – gelegen im heutigen Ortsteil Rüssel vor den Toren des Dorfes Ankum – stattfand.
Bald nach Ende des 30-jährigen Krieges ging jedoch dieser „Walsumer Markt“ ein. Wirtschaftlich gesehen sicherlich ein herber Verlust für die Bedeutung Ankums als zentraler Marktort. Die Erinnerung an diesen einstmals wichtigen Markt war jedoch rund 100 Jahre später immer noch vorhanden, denn der Ursprung des Fettmarktes geht auf einen Antrag von Ankumer Bürgern vom 9. Oktober 1769 zurück. In dem Antragsschreiben bezieht man sich auf den letztmalig im Jahr 1688 durchgeführten „Walsumer Markt“, einem damals weit über die Orts- und Regionsgrenzen berühmten Handelsplatz. „Es ist bekannd, dass zu Walsem (Walsum) in Kirchspiel Ankum in der nähe beym Dorfe nach Rogate (5. Sonntag nach Ostern) jährlich ein Marckt gehalten, welcher von vielen frömden Kauff-Leuthen frequentiert, und woselbst vor Zeiten große handelungen geschehen, er ist aber gantz in decadence (Vergangenheit) geraten“, so heißt es in dem Antragsgesuch der Ankumer aus dem Jahr 1769.
Die Obrigkeit genehmigte schließlich – vermutlich in Anbetracht des einstmals bedeutenden, aber eingegangenen „Walsumer Marktes“ – mit einer schriftlichen Erlaubnis vom 22. Februar 1770 gleich zwei neue Märkte in Ankum. Als jährliche feststehende Termine wurden von der genehmigenden Behörde ein Pferdemarkt für Ende Januar („Lechtmissenmarkt“) sowie ein weiterer Markt für Ende Oktober („Fettmarkt“) eines jeden Jahres in dem Erlaubnisschein aufgeführt. Im gesamten Verlauf des Jahres der Genehmigung (1770) wurden in Ankum insgesamt sieben überregionale Märkte veranstaltet.
Die Namensgebung für den „Fettmarkt“ ist einfach zu interpretieren: Der von der Obrigkeit erstmals 1770 genehmigte Markt im Herbst eines Jahres war so gewählt worden, dass auf diesem Markt „feistes“ – also „fettes“ - Vieh verkauft werden konnte, welches im Herbst von den Weiden kam und den Sommer über „fett gefüttert“ wurde. Wegen der zentralen Lage Ankums gelangten die zahlreichen Märkte, darunter auch der „Fettmarkt“, rasch zu großer Bedeutung.
Die damalige Anziehungskraft des „Fett-Viehmarktes“ wird auch heute noch eindrucksvoll ersichtlich, wenn man sich die „Werbemaßnahmen“ für diesen Markt vor Augen hält, denn im Jahr 1879 erschienen in folgenden überregionalen Zeitungen Annoncen: Kölnische Zeitung, Westfälischer Merkur, Weser-Zeitung Bremen, Essener Zeitung, Osnabrücker Zeitung, Kölnische Volkszeitung, Westfälische Zeitung zu Dortmund, Bersenbrücker Kreisblatt zu Quakenbrück und Kreisblatt für den Kreis Bersenbrück zu Ankum.
Nach dem 2. Weltkrieg „schlief“ der Fettmarkt allerdings ein, wie übrigens auch die meisten übrigen Märkte, weil kein Bedarf mehr Bestand. Vor einigen Jahren entschloss sich die Ankumer Werbegemeinschaft, diesen einstmals wichtigen, überregionalen Markt wieder aufleben zu lassen, wenn auch in anderer Form. So wird auf dem Fettmarkt zwar heutzutage kein „fettes“ Vieh verkauft, aber die zahlreichen Geschäfte in Ankum bieten auch ohne Schweine oder Rinder allerhand interessantes zum Fettmarkt an.
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