Heimatfreunde genossen Klosteratmosphäre

Ankumer Radler machten Abstecher ins Emsland

Ankum. (kw) Seit 16 Jahren unternimmt der Heimat- und Verkehrsverein Ankum zwei Mal im Jahr eine Tagestour mit dem Fahrrad. Auf der Tour in diesem Herbst erlebten die 48 Radler auf einem Rundkurs von etwa 57 km ein breites Spektrum an Sehenswürdigkeiten. Als Hauptziele hatte der Radwanderwart die Orte Bippen, Handrup und Schwagstorf ausgewählt.

Bei ihrem ersten Etappenziel besichtigten die Ankumer zusammen mit Werner Hollermann (zweiter von links) den Kuhlhoff in Bippen. Foto: Karl Wanstrath

Erstes Etappenziel war der Lernstandort „Kuhlhoff Bippen“. Werner Hollermann, Vorsitzender des Kuhlhoff-Vereins, erläuterte den Gästen die Entstehungsgeschichte und die Aktivitäten dieses Bildungs- und Informationszentrums. Die Radler erfuhren, dass der Kuhlhoff früher ein Bauernhof war und zu den ältesten Höfen Bippens zählt.

In Handrup erzählte Pater Olaf Hamelijnck (Bildmitte) den Radwanderern aus Ankum viel Wissenswertes über das Herz-Jesu-Kloster und das Gymnasium Leoninum. Foto: Karl WanstrathBereits 1490 erstmals erwähnt, wechselte die ortsprägende Hofstelle mehrfach den Besitzer und ging 1989 in das Eigentum der Gemeinde Bippen über. Heute ist der Kuhlhoff ein Informations- und Bildungszentrum für Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Wasser und bietet für schulische und außerschulische Gruppen ein umfangreiches Bildungsprogramm. Bei einem Rundgang durch die etwa 1,8 ha große Anlage mit Tagungsräumen, Labor, Backhaus, Blockhäusern und verschiedenen Ausstellungen konnten sich die Besucher vom breiten Informationsspektrum des Lernstandortes überzeugen.

Weiter verlief die Fahrt über Vechtel nach Handrup. Dort stand zunächst die Besichtigung des Herz-Jesu-Klosters und des Gymnasiums Leoninum auf dem Programm. Pater Olaf Hamelijnck, Rektor des Klosters, erläuterte den Ankömmlingen die geschichtliche Entwicklung. Die Herz-Jesu-Priester, die bereits 1883 in Holland eine erste Missionsschule gründeten, waren bemüht, auch in Deutschland eine derartige Schule zu errichten. Die Hesemannsche Wassermühle in Handrup gehörte zum umfangreichen Erkundungsprogramm der Ankumer Heimatfreunde. Foto: Karl WanstrathAls ein Mitglied des Herz-Jesu-Ordens in Handrup unterwegs war, stieß er dort auf das Interesse der Gemeinde und einiger Landwirte, Grundstücke für das neue Kloster zur Verfügung zu stellen. Die Bedingung hierfür war, dass die Handruper die Kirche ebenfalls nutzen durften. Im Jahre 1923 wurden Kloster und Schule fertig gestellt und die ersten 23 Schüler konnten den Unterricht aufnehmen. Heute besuchen etwa 1300 Schüler die Klosterschule. Seit 1973 haben auch Mädchen die Möglichkeit, die Schule zu besuchen. Zusammen mit Pater Olaf nahmen die Ankumer die Räumlichkeiten des Klosters so-wie die restaurierte Kapelle näher in Augenschein. Sie waren beeindruckt von der freundlichen Klosteratmosphäre.

Auf der Weiterfahrt erreichten die Radler schon bald das Handruper Heimathaus, wo sie sich zum gemeinsamen Picknick niederließen. Hermann-Josef Hanneken, Vorsitzender des Heimatvereins, berichtete über die geschichtliche Entwicklung Handrups und über die Aktivitäten des im Jahre 2003 gegründeten Heimatvereins. Im  Heimathaus in Schwagstorf gab es neben Kaffee und Kuchen auch interessante Informationen über die Aktivitäten des Schwagstorfer Heimatvereins. Foto: Karl WanstrathZum Abschluss des Besuches in Handrup besichtigten die Radwanderer die aus dem Jahre 1811 stammende Hesemannsche Wasser-mühle. Diese Mühle ist nach aufwendiger Renovierung wieder voll funktionstüchtig und wird vom Heimatverein betreut.

Über Fürstenau bewegte sich die Radkolonne weiter nach Schwagstorf. Beim Marienstift wurden sie von Schwester Oberin Ilona begrüßt und in die kleine Kapelle geführt. Die Oberin er-zählte, dass das Stift ursprünglich eine Hofstelle war und im Jahre 1883 von einem kinderlosen Ehepaar gestiftet wurde, um dort Waisenkinder unterzubringen. Im Jahre 1894 wurde dann das Marienstift mit der Einrichtung eines Waisenhauses und einer Volksschule durch Thuiner Fran-ziskanerinnen gegründet. Im 2. Weltkrieg wurden die Gebäude zeitweise zu einem Reservekrankenhaus, einer Entbindungsstation und einem Lazarett für polnische Soldaten umfunktioniert. Auf dem Rückweg einer erlebnisreichen Fahrt.  Foto: Karl WanstrathHeute ist das Marienstift eine staatlich anerkannte Haupt- und Realschule mit Internat und insgesamt rd. 400 Schülern. Außerdem ist dem Stift ein Schwesternaltenheim angegliedert.

Anschließend radelten die Ankumer zum Heimathaus in Schwagstorf, wo ihnen Kaffee und Kuchen serviert wurden. Peter Krehe, Vorsitzender des Heimatvereins, berichtete über die Aktivitäten des Vereins und über die Entstehungsgeschichte des schmucken Gebäudes, das früher ein Feuerwehrhaus war und in den Jahren 2003 bis 2005 zum Heimathaus umgebaut wurde. Von Ulla Terschlüsen erfuhren die Gäste, dass auch ein Archiv mit historischen Karten,  Totenbildern und alten Schriften aufgebaut wird.

Über Plaggenschale und Westeroden erreichten die Ausflügler nach einer erlebnisreichen Fahrt den Heimatort.

Weiterlesen:
> Weitere Berichte über die Arbeit des Ankumer Heimatvereins
> Die Homepage des Heimatvereins Ankum

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