Quitt's Alte Herren feiern ihr ureigenes Schützenfest
Geschrieben von: Franz Raschke Sonntag, den 22. August 2010 um 05:01 Uhr
Seit Jahrzehnten steht das gesellige Miteinander bei den Fußballern hoch im Kurs
Ankum. (fr) Als die Kutsche vorgefahren war, die Mannen sich in Doppelreihe formierten und Präsident und König zur Abnahme der Parade bereitstanden, fehlte überraschend die Musik. Doch der Moment der Stille währte nur kurz, dann intonierte die im Gesang geübte Truppe lauthals „Marschmusik a cappella“ – denn das geht auch!
Die Übung im freien Gesang mögen die Alten Herren der Fußballabteilung des SV Quitt Ankum an den Vorabenden des Dreikönigstages gesammelt haben, an welchen sie als Caspar, Melchior und Balthasar von Haus zu Haus ziehen, um mittels ihres „Wurstsingens“ Mettwürste und Spenden für einen guten Zweck zu sammeln. Eine über 40jährige Tradition, die bereits zum Thema von Rundfunk- und Fernsehsendungen wurde und so nur in Ankum besteht. 
Da kann selbst das Schützenfest dieser „Alten Herren“ nicht ganz mithalten, denn dieses bringt es heuer erst auf 36 Jahre und zu Zeiten des Antretens auf 34 Könige, da es eines Jahres keinen gab und der 35. gestern erst noch ausgeschossen werden musste. Das klingt ähnlich kompliziert wie die im Fußball gültige Abseitsregel, also für Profis leicht verständlich, ist es aber nicht.
Wie hoch das Miteinander und die Geselligkeit bei den Alten Herren des SV Quitt Ankum im Kurs steht, ließ sich derweilen schon beim Antreten am Hause ihres Königs Hermann Lünnemann gegen 16:00 Uhr miterleben. Trotz eines laut erklingenden Kommandos verweilten die jungen oder älteren Altherren zunächst noch gern manch längere Minute mit den Nachbarn an der Alfhausener Straße, bevor sich die rund 30 Mann starke Schützengemeinschaft als Gefolge der Königskutsche und mit hochgehaltenem Adler im Fußmarsch zum Schützenplatz auf dem Brunning begab.
Dort am Schießstand erwies sich dann die Wahl der Waffe nicht nur als Neuerung in der eigenen Schützenfesttradition, sondern auch als noch weiterhin zur Erprobung empfohlen. Denn allzu lang hielt der im schrillen Gelb gehaltene Schützenadler den durchaus gekonnten Schüssen mit dem Kleinkaliber stand, womit der Königsschuss statt gegen 19:00 Uhr erst um 20:30 Uhr notiert werden konnte. Ein zeitlicher Verzug in der Größenordnung der Dauer eines Fußballspiels, der sich aber sanft im Übergang zum nächsten Programmpunkt verlor.
Mit dem Eintreffen der Damen und der selbst geübten Bereitung des gemeinsamen Mahls in der Schützenhalle, jetzt via Technik auch musikalisch begleitet, ging das Fest nun in den gemütlichen Teil über und zog sich viel zu schnell bis zu jenem Moment, den der König des Jahres 2009, Hermann Lünnemann, mit manchem Kummer kommen sah. Präsident Heinz-Georg Berens bat die Schützen, Damen und Gäste punktgenau um 22:00 Uhr zur Proklamation des neuen Regenten.
Im Beisein der gegenwärtigen Ankumer Majestät Bernd XI. Wingerberg, nahm Georg von Höne dem Königspaar Gabriele Heile und Hermann Lünnemann die Insignien ihrer Herrschaft ab und übergab die über die Jahre stetig zahlreicher gewordenen Schützenketten an das neue Königspaar Brigitte und Stefan Hartz.
Einhergehend mit Momenten, die je nach Verkündung mal bedächtig, mal ausgelassen gefeiert wurden und gemäß Protokoll in die obligatorischen Ehrentänze mündeten.
Den Ausklang des Festes bietet am heutigen Sonntag gegen 11 Uhr der Frühschoppen am Hause des neuen Königspaars, mit wohl noch manchem Ankumer „Horrido.....immer noch Alte Herren“. Ob dabei auch nochmals die „Marschmusik a cappella“ erklingt, erfuhren wir am gestrigen Vorabend des Frühschoppens nicht.
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