Ein Braten vom „dicksten Mann aus Ankum"
Geschrieben von: Thomas Oeverhaus Mittwoch, den 07. April 2010 um 00:01 Uhr
Ankum. (to) Von seinen 50 Priesterjahren ist Pastor Fritz Steffan allein die Hälfte dieser fünf Jahrzehnte in Ankum tätig gewesen, wo er seit 1993 seinen „Ruhesitz" gefunden hat. Vor kurzem feierte der Geistliche mit vielen privaten und kirchlichen Weggefährten im „Artländer Dom" sein goldenes Priesterjubiläum.

Viele der Ankumer Weggefährten kennen Fritz Steffan, Jahrgang 1928 und gebürtig aus Nordhorn, noch aus seiner aktiven Zeit als Vikar in Ankum, wo er von 1965 bis 1973 vor allem in der Ministranten- und Krankenhausseelsorge segensreich wirkte.
Nach einer kaufmännischen Lehre bei einem Holz- und Baustoffgroßhandel, junger Weltkriegsteilnehmer und einigen Jahren Tätigkeit als Kaufmann holte Fritz Steffan an der St. Clemens- Schule in Bad Driburg sein Abitur nach und studierte Theologie in Münster und Frankfurt. Das Grundfundament für seinen Berufswechsel und der Wunsch, Priester zur werden, liegt nach seiner Einschätzung auch im starken Engagement bei der Kolpingfamilie seiner Heimatstadt Nordhorn begründet. Kein Wunder also, dass er nach der Priesterweihe im Osnabrücker Dom im März 1960 und einer fünfjährigen Tätigkeit als Kaplan in Hamburg sich während seiner Ankumer Vikarzeit auch sehr stark in der seelsorgerischen Kolpingarbeit engagierte und sogar Kolping-Diözesanpräses für das gesamte Bistum Osnabrück – damals das größte Bistums Deutschlands – wurde.
An seine ersten Eindrücke nach dem Umzug von Hamburg von Ankum kann sich Fritz Steffan heute noch gut erinnern: „Was mir bei meiner Ankunft in Ankum sofort auffiel, war der gewaltige Kirchturm", erinnert sich der Geistliche schmunzelnd auch heute noch an das Erlebnis vor 45 Jahren.
Nach seinem Abschied als Ankumer Vikar war Steffan fast 20 Jahre lang Pfarrer von Wallenhorst und hat auch dort Akzente gesetzt „Als meine Pensionierung anstand, fragte mich der Bischof, ob ich nicht wieder die Krankenhausseelsorge im Ankumer Marienhospital übernehmen wolle", erinnert sich Fritz Steffan. „Zurück nach Ankum?", habe er den Bischof gefragt. „Das mache ich sofort", so lautete die spontane Antwort des Pastors i.R., wobei diese Abkürzung nicht für „in Ruhestand" sondern wohl eher für „in Reichweite" steht.
Seit 1992 hat Fritz Steffan seinen Ruhesitz – obwohl diese Bezeichnung nun überhaupt nicht auf den agilen Geistlichen zutrifft – wieder in Ankum gefunden und ist nach eigenen Bekunden „hier wirklich zu Hause". Dankbar und glücklich ist er besonders über seine langjährige Tätigkeit als Krankenhausseelsorger im Ankumer Marienhospital, wo er noch heute regelmäßig Gottesdienste in der Krankenhauskapelle feiert.
Apropos Dankbarkeit: Die empfindet Fritz Steffan ganz besonders über die große Resonanz seines goldenen Priesterjubiläums, welches er kürzlich im Artländer Dom feiern konnte. Bannerabordnungen vieler Kolpingfamilie nahmen teil, ebenso eine Menge alter Bekannter und Freunde aus Wallenhorst, Hamburg und Ankum. Der Altarraum der St.-Nikolaus-Kirche bot aus diesem Anlass ein beeindruckendes Bild, denn zusammen mit Pastor Steffan lasen 13 Concelebranten am Altar die Heilige Messe. Einen besonderen Farbtupfer in den Gottesdienst brachten die drei Chargierten des Wissenschaftlichen Katholischen Studentenverein Unitas Winfridia zu Münster in das Gotteshaus. Der Ankumer Jan Sandbrink ließ es sich mit seinen beiden Conchargen aus Münster nicht nehmen, dem Alten Herren Fritz Steffan die Ehre zu erweisen, denn der Jubilar ist seit Jahrzehnten Mitglied dieser Studentenverbindung und war in den 1950er Jahren zeitweise ihr "Senior", also Vorsitzender der Aktivitas.
„Das Echo auf mein Jubiläum waren riesengroß, ich habe mich wirklich sehr darüber gefreut", war rückblickend von Fritz Steffan zu vernehmen. Überhaupt sei er sehr dankbar, Gott und den Menschen dienen zu können und in Ankum seinen Lebensabend verbringen zu dürfen. Nicht zuletzt auch seine langjährige Haushälterin Erna-Maria Harth, die durchgängig seit seiner ersten Station als Vikar 1965 in Ankum den Haushalt von Pastor Steffan versorgt, möchte der Geistliche in den Dank einbezogen wissen.
Aus seiner Zeit als junger Vikar ist Fritz Steffan noch ein Dönken präsent, an dem auch seine Haushälterin Erna-Maria Harth „beteiligt" war. Damals hatte der Ankumer Bürgermeister, Landwirt Alfons Schulte zu Ankum, ein Schwein geschlachtet und brachte dem neuen Vikar Steffan ein großes Bratenstück in die Vikarie, wie das damals so üblich war. Der Geistliche war jedoch nicht zu Hause, so dass seine Haushälterin ebenso erstaunt wie dankbar das Geschenk an der Haustür entgegennahm. „Was darf ich denn dem Herrn Vikar sagen, von wem der Braten kommt", wollte die Haushälterin von dem stämmigen Landwirt wissen, der den Weg ins Dorf mit den gebräuchlichen „Holsken" (Holzschuhen) zurückgelegt hatte. Die Antwort des legendären Bürgermeisters kam prompt und auf Plattdeutsch: „Säg´ üm man, van den dicksten Kerl ut Ankum!"
Fotos: Alfons Geers (oben), Thomas Oeverhaus (links)
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